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Daniel Woodrell "Winters Knochen" Kein Land für junge Frauen

Der 1953 geborene Amerikaner Daniel Woodrell hat mit „Winters Knochen“ (Winter’s bone“) einen Roman geschrieben, der so dunkel ist wie seine junge Hauptfigur standfest und zäh.Die Verfilmung soll im April 2011 in die deutschen Kinos kommen.

Die 16-jährige Ree Dolly hat einen Körper, „der dazu geschaffen war, dem Nötigsten hinterherzuspringen“. Glücklicherweise, denn Ree muss dauernd irgendwas hinterherspringen: dem Wild, damit was Nahrhaftes im Kochtopf landet, und wenn es ein, zwei, drei Eichhörnchen sind, dem Brennholz, der Verwandtschaft und ihrer dünnen Mildtätigkeit. Das Mädchen versorgt ihre zwei jüngeren Brüder und ihre Mutter, die abgedriftet ist in eine Geisteskrankheit. Die Männer der weitverzweigten Dolly-Familie kommen zu oft mit dem Gesetz in Konflikt, um verlässliche Ernährer zu sein. Rees Vater Jessup ist zwar der beste Meth-Kocher weit und breit, aber man hat ihn erwischt, und nun soll er vor Gericht gestellt werden. Und ist verschwunden. Was egal wäre, hätte er nicht als Kaution das Haus überschrieben, in dem Ree mit Brüdern und Mutter mehr schlecht als recht, aber immerhin lebt.

Der 1953 geborene Amerikaner Daniel Woodrell hat mit „Winters Knochen“ (Winter’s bone“) einen Roman geschrieben, der so dunkel ist wie seine junge Hauptfigur standfest und zäh. Obwohl sie gewarnt und bald auch zusammengeschlagen wird, zieht Ree von einem Teil des Dolly-Clans zum nächsten und versucht herauszufinden, wo ihr Vater ist. Und ob er denn überhaupt noch lebt.

In einem ländlichen, winterkalten Missouri spielt „Winters Knochen“. Die Landschaft ist nicht nur trostlos, aber die Menschen darin sind auf die ein oder andere Art Versehrte. Onkel Teardrop, der Ree unheimlich ist, hat sich bei einer Explosion in seinem Meth-Labor ein Ohr und ein Stück Gesichtshaut weggeätzt. Rees beste Freundin Gail hat den Vater ihres aus Versehen gezeugten Kindes notgedrungen geheiratet, haust mit ihm in einem Wohnwagen und lässt sich Vorschriften machen. Polizist Baskin weiß, dass jeder Erfolg nicht mehr ist als ein Tropfen auf den heißen Stein: Für jede Drogenküche, die die Polizei aushebt, entsteht anderswo eine neue.

„Winters Knochen“ wäre ein „No Country For Young Girls“, würde Woodrell nicht auch Momente von Wärme, Hilfsbereitschaft und Zärtlichkeit beschreiben. Wenn Ree zum Beispiel ihrer Mutter die Haare wäscht und mit Essig spült, damit sie schön glänzen. Wenn sie mit Gail schwimmen geht – und sei es auch, um Blutergüsse zu kühlen – und die beiden Mädchen dann am Feuer sitzen.

Daniel Woodrell erzählt knapp und doch stimmungsvoll, in oft überraschenden Bildern. Es ist ein selbst gleichsam bis auf die Knochen reduzierter, ein wählerischer Text, der aber das, was ihm wichtig ist, wie im Scheinwerferlicht aufleuchten lässt.

Apropos Scheinwerferlicht: Die beim Sundance-Festival 2010 mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnete Verfilmung des Buches durch Debra Granik soll im April in die deutschen Kinos kommen.

Daniel Woodrell: Winters Knochen. Aus dem Englischen von Peter Torberg. Verlag Liebeskind, München 2011, 224 Seiten, 18,90 Euro.

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