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Christine Nöstlinger Wir pfeifen auf die Despoten

Wer „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ gelesen hat, betrachtet auch erwachsen noch Kartoffeln mit Keimspitzen mit einigem Unbehagen. Zum Tod der großen österreichischen Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger.

Christine Nöstlinger
Christine Nöstlinger bei einem Interview im Jahr 2016. Foto: dpa

Wer Christine Nöstlinger liest, kann nicht brav sein. In einem gewissen Maße vernünftig bestimmt, aber brav im Sinne von angepasst, kann niemand sein, der die Bücher der Wienerin gelesen hat, angefangen bei der „Feuerroten Friederike“ von 1970 und den „Kindern aus dem Kinderkeller“ über „Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“ bis zu „Nagle einen Pudding an die Wand“ oder der Serie von Erstleser-„Geschichten vom Franz“. Und das bleibt den Nöstlinger-Lesern erhalten, wie „Der Zwerg im Kopf“ dem Mädchen Anna, auch wenn die Autorin jetzt im Alter von 81 Jahren in Wien gestorben ist. 

Bedenkt man nämlich, dass die ersten Bücher, die ein Mensch selbst gern liest, eine große Wirkung auf die Wahrnehmung der Welt oder wenigstens des eigenen Umfelds haben können, da gehören zahlreiche der mehr als 130 Titel aus der Schreibmaschine Nöstlingers zu den prägenden – weil sie eigensinniger und aufmüpfiger daherkamen als viele andere.

Spitzzüngig auch als Zeitungskolumnistin

Wer etwa „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ gelesen hat, betrachtet auch erwachsen noch Kartoffeln mit Keimspitzen mit einigem Unbehagen, hat doch der Diktator im Keller stets nach diesen verlangt und dabei versucht, sich eine Familie so zum Untertan zu machen, wie es Despoten auch mit Völkern tun. 1973 erhielt Christine Nöstlinger dafür den Deutschen Jugendliteraturpreis, viele weitere Auszeichnungen folgten. Zusammen mit Maurice Sendak war sie 2003 die erste, die den Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis (Alma) erhielt. 

So wie ihre Eltern die 1936 Geborene und die ältere Schwester möglichst unabhängig vom nationalsozialistischen Ungeist zu erziehen versuchten, so stiftete sie später die eigenen Töchter und ihre Leser dazu an, Althergebrachtes und Dahergeplappertes zu hinterfragen. Aus ihren Büchern spricht Verständnis für den Ärger von Kindern, ihre Launen, die Qual, sich entscheiden zu müssen – und vor allem für jene Kinder, die von anderen gepiesackt werden. Nicht nur für die Kleinen: Ihre „Gretchen Sackmeier“ führte durch das Auf und Ab der Pubertät. Sie gab ihren Lesern ein Rüstzeug fürs eigene Denken. 

Christine Nöstlingers Muttersprache war Österreichisch, wie sie betonte, weshalb sie bei ihren deutschen Verlagen, wo ihre Bücher in hohen Auflagen erschienen sind, um manche Eigenheit kämpfte. In Österreich kannte man sie außerdem als Autorin für Erwachsene, als Zeitungskolumnistin, spitzzüngig zeigte sie sich auch in diesem Genre. 

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