Lade Inhalte...

Cervantes Grab Es ist Cervantes – wahrscheinlich

Seit einem Jahr suchen spanische Forscher die Überreste des Quijote-Autors. Nun melden sie einen bescheidenen Erfolg.

Nach Überresten von Miguel de Cervantes suchend. Foto: dpa

Ja, es ist Cervantes. Ganz bestimmt. Ziemlich sicher. Wahrscheinlich. „Es ist etwas mehr als eine Hypothese, was wir gefunden haben“, sagt der Anthropologe Francisco Etxeberria. „Es ist möglich, in Betracht zu ziehen, dass sich unter den Knochenfragmenten einige befinden, die Miguel de Cervantes gehören.“ So klingen normalerweise keine großen Nachrichten. Doch das Bedürfnis, endlich die lange verschollenen Überreste des Quijote-Autors aufzuspüren, ist in Spanien in letzter Zeit so stark geworden, dass auch leicht wackelige Erkenntnisse große Schlagzeilen machen.

Die Suche begann vor knapp einem Jahr. So viel wusste man damals: Miguel de Cervantes starb vor knapp 400 Jahren, am 23. April 1616, vielleicht auch einen Tag früher, 69-jährig in Madrid. Nach einem bewegten Leben war er mit der Veröffentlichung des „Don Quijote“ zu literarischem Weltruhm, aber nicht unbedingt zu Reichtum gekommen. Sein Körper wurde in einem kurz zuvor gegründeten Kloster der barfüßigen Trinitarierinnen bestattet, ganz in der Nähe seines letzten Wohnhauses in der Altstadt von Madrid, in einem Viertel, das heute Huertas heißt. Jahrzehnte später wurde das Kloster aus- und umgebaut. Die Grabstätte Cervantes’ verschwand dabei.

Mit Bodenradar auf Suche

Dem Historiker Fernando de Prado ließ das keine Ruhe. Er überzeugte Kollegen und vor allem die Madrider Stadtverwaltung, die das Geld dafür bereitstellte, dass sich eine Suche nach den Überresten des Schriftstellers lohne. Ende April 2014 zogen Archäologen mit einem Bodenradar los, um im Untergrund des Trinitarierinnenklosters Unregelmäßigkeiten aufzuspüren. Doch auf Knochen stießen die Forscher schließlich dort, wo man sie erwartet: in der Krypta, die jahrzehntelang niemand mehr betreten hatte.

In 36 Grabnischen und im Boden unter der Krypta entdeckte das Team aus Archäologen, Anthropologen und Historikern die Überreste von fast 300 Menschen. Die meisten von ihnen aus jüngeren Epochen als der Cervantes’ Doch in einer Erdschicht im Untergrund der Krypta lagen Reste von elf Personen aus dem frühen 17. Jahrhundert. In allerdings sehr schlechtem Zustand. Dass einige dieser Knochenreste Cervantes zuzuschreiben sind, ist eine Schlussfolgerung aus dem Studium der Klosterbücher: Die besagen, dass der Dichter niemals aus dem Kloster fortgeschafft wurde. Also müssen unter den gefundenen Knochen auch seine sein.

Für einen Laien sind diese Gedankengänge etwas unbefriedigend. Schöner wäre es, einen Schädel mit sechs Zähnen in Händen halten zu können: So viele hatte Cervantes nach eigenem Bekunden noch kurz vor seinem Tod. Das Team unter Leitung des Anthropologen Etxeberria verspricht, weiter zu forschen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen