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Bücher zur Reformation Auch die Ränder im Blick

Spurensuche in Städten und Dörfern, in Deutschland und anderswo: Drei Bücher über Reformation und Reisen.

In Ostfriesland grüßen Wetter-Hahn und Luther-Schwan - Wetterfahne auf dem Kirchturm zeigt den Einheimischen auch das jeweilige protestantische Bekenntnis an
Statt des Wetter-Hahns: Luther-Schwan in Ostfriesland als Bekenntnis zum Reformator. Foto: Jörg Nielsen

Quer durch Europa

Die Reformation begegnet einem überall, nicht nur in Wittenberg oder auf der Wartburg. Sie hat Europa tief geprägt, das weiß man längst, und sie hat sehr verschiedene Reformationen hinterlassen – es gibt keine einheitliche Reformationsgeschichte, sie lässt sich auch nicht auf Luther reduzieren. Aber es ist doch immer wieder erstaunlich, wie weitreichend und wie unterschiedlich die reformatorischen Ideen bis heute wirken.

Für einen ersten Überblick ist dieser mit Karten, Zeitleiste und Grafiken schön ausgestattete Atlas bestens geeignet. In gut verständlichen Texten werden zudem die reformatorischen Bewegungen vor allem mit Blick auf die prägenden Reformatoren nachgezeichnet. Hilfreich ist dabei, dass die Reformation nicht als plötzlicher, vollständiger Bruch mit einem vermeintlich dunklen Mittelalter, sondern als Fort- und Weiterschreibung von Ideen erzählt wird, die schon vor Luther diskutiert wurden. Hilfreich ist es auch, dass der britische Historiker zwar noch immer den irreführenden Begriff „Gegenreformation“ verwendet, diese aber als Strang eines gesamteuropäischen Veränderungsprozesses begreift.

Quer durch die Städte

Als europäische Bewegung begreift auch dieser lexikonartige Band die Reformation. Und er stellt sie dabei als wesentlich städtische Erscheinung vor. Die jeweils gut zehnseitigen Texte entwerfen die reformatorischen Profile von 48 Städten, stets auf dem aktuellen Stand der Forschung, stets mit Blick auf die prägenden Reformatoren vor Ort.

Dass mit Cambridge, Emden oder Venedig hier auch Orte vorkommen, die im allgemeinen Reformationsgedächtnis sonst eher nicht auftauchen, macht diesen vergleichsweise handlichen, auf für unterwegs geeigneten Band besonders wertvoll. Er nimmt damit Figuren in den Blick, die in der Erinnerungsgeschichte ein Randdasein führen, den politisch brisanten Prediger Christoph Schappeler in Memmingen etwa, oder den Rigaer Reformator Andreas Knopken. Der Band schildert damit die höchst unterschiedlichen Aufnahmen der reformatorischen Ideen, stellt die jeweiligen Kirchen und Denkmäler vor und eignet sich so auch als Nachschlagewerk.

Quer über Land

Mit zwei umfangreichen, reich bebilderten Bänden demonstriert Johann Anselm Steiger, dass die Reformationsgeschichte gerade auch in Dörfern und abseits der üblichen touristischen Pfade zu studieren ist. An 280 Orten vornehmlich im Norden Deutschlands – mit vereinzelten Ausflügen nach Skandinavien, Polen und ins Baltikum – findet er „Haftpunkte des Reformationsgedächtnisses“.

Als Gedächtnisorte gelten hier Altäre, Kanzeln, Emporen, Bilder und Beichtstühle aus der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Je genauer man hinschaut, desto widersprüchlicher und damit reichhaltiger wird übrigens die lokale Reformationsgeschichte. Und diese beiden Bände schauen sehr genau und beeindruckend kenntnisreich hin. So kann man hier reformatorische Spuren an einem Orgelprospekt in Basedow, in einer Inschrift in der Kirche von Wiek auf der Insel Rügen oder anhand des Flügelaltars der Dreieinigkeitskirche in Hamburg entdecken. Entgegen dem Klischee vom Protestantismus als Wortreligion erbringen diese Bände zudem den Beweis, dass gerade die Reformation auch Kunst- und Bildgeschichte geschrieben hat.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Reformation

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