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Buchtipp Pärchen sind wie Parasiten

Christiane Rösinger tritt mit ihrem Buch „Liebe wird oft überbewertet“ zum Kampf gegen den Beziehungs-Terror an - ganz nach dem Motto der Band "Lassie Singers": „Pärchen verpisst euch, keiner vermisst euch!“

13.03.2012 15:02
Kerstin Meier
Pärchen verpisst euch, keiner vermisst euch! Foto: Archiv

Der Bauer sucht eine Frau, der Bachelor die Liebe, Schwiegermütter suchen Schwiegertöchter – das gesamte Hoffen und Sehnen der Welt kondensiert in einer Flut von Kuppelshows. Die Suche nach dem passenden Partner wird im massenmedialen Dauerfeuer als einziger Daseinszweck präsentiert: ein großes Menschen-Memory. Gewonnen hat, wer das passende Gegenstück findet.

Dabei ist das, was danach kommt, doch das eigentliche Drama: das Pärchen. Bereits 1991 textete Christiane Rösinger, damals noch Mitglied der Band „Lassie Singers“: „Pärchen sind wie Parasiten“. Weiter heißt es in dem Song „Pärchenlüge“: „Pärchen stinken, Pärchen lügen, Pärchen winken und fahr’n nach Rügen“. Der Song gipfelt in dem Refrain: „Pärchen verpisst euch, keiner vermisst euch!“.

Mit diesem Satz lässt sich auch Rösingers Buch „Liebe wird oft überbewertet“ (ebenfalls ein Songtitel der Lassie Singers) zusammenfassen. Was bedeutet, dass die inzwischen 51-jährige Musikerin und Texterin ihren Idealen treu geblieben ist – dem Kampf gegen die „RZB“ wie sie „romantische Zweierbeziehung“ abzukürzen pflegt. Ihr Buch spiegelt eine Gesellschaft, in der die meisten Beziehungen einem normierten Muster folgen: Mann plus Frau gleich Paar. Mit großem Genuss wettert Rösinger gegen diese „heterosexuelle Zwangsmatrix“: „Das Pärchen an sich ist eigentlich eine ganz niedrige Lebensform und steht in der Artentabelle nur knapp über dem Einzeller oder dem Pantoffeltierchen“. Pärchenbildung bringe die schlechtesten Eigenschaften des Einzelnen ans Tageslicht und produziere am laufenden Band unglückliche Paare, die „wie geprügelte Hunde nebeneinander durchs Leben schleichen“.

Beobachtungen aus dem Berliner Alltag

Rösinger garniert das Sammelsurium kurzer Glossen und Beobachtungen aus ihrem Berliner Alltag mit allerlei Statistik und etwas Küchenpsychologie. So analysiert sie den Frauentyp, der sich mit Vorliebe in „verhaltensgestörte, bindungsunwillige, emotional verarmte Männer“ verliebt. Übrigens ein Umstand, der in einem weiteren schönen Song der Lassie-Singers besungen wird: „Ich glaub’, ich hab’ ein Faible für Idioten“. Diesem fatalen Faible könnte die Angst vor der Langeweile in einer Langzeitbeziehung zugrunde liegen, mutmaßt Rösinger. Denn immerhin gebe es mit einem schwierigen Mann immer etwas zu tun: „Manchmal gibt es kleine Therapieerfolge zu verzeichnen, und die eigentliche Sinnlosigkeit oder Langeweile in der RZB wird durch diese Therapiearbeit übertüncht.“

Dennoch warnt die Autorin davor, den Partner therapieren zu wollen: „Denn manchmal ist die Störung das einzig Interessante gewesen, und wenn die behoben ist, bleibt nichts übrig.“ So oder so – das Fazit steht ohnehin fest: Hände weg von der RZB! Sie führt ohne Umwege ins psychische Elend, vor allem bei Frauen. So zitiert Rösinger die amerikanische Familiensoziologin Jessie Bernhard, die in ihren Untersuchungen zu dem Schluss kommt, „dass Männer von der Ehe eher profitieren, während Frauen eher unter ihr leiden, depressiv und krank werden.“

Rösinger hat wohl Fachbücher gewälzt

Für ihr Buch hat sich Rösinger offenbar durch mehrere Regalmeter „populäres Sachbuch“ zum Thema Beziehung gelesen. Sie zitiert Soziologen, Anthropologen, Psychologen, Philosophen, Literaten, Historiker – und was sich der Experten mehr auf diesem Globus tummelt. Immer, wenn diese Ausführungen allzu trocken zu werden drohen, besinnt sich die Autorin aber auf ihren Humor und bringt uns etwa die Bindungstheorie am Beispiel von Michael Jackson, Pippi Langstrumpf, Pumuckl und Pinocchio nahe.

Insgesamt sind Rösingers Darlegungen angenehm einseitig. Warum sollte sie in ihrer Argumentation schließlich differenziert sein, wenn es der imaginierte Feind (die quasi-mafiöse Pärchen-Lobby) auch nicht ist? Insofern ist „Liebe wird oft überbewertet“ eine gute Lektüre für alle einsamen Kämpfer gegen das Paar-Diktat, die sich ausnahmsweise mal in ihrer Weltsicht bestätigt sehen möchten.

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