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Brit Bennett „War das jetzt rassistisch?“

Und darf man darüber sprechen? Eine Begegnung mit der jungen US-Autorin Brit Bennett, deren Debütroman „Die Mütter“ jetzt auf Deutsch erschienen ist.

Brit Bennett
An der Schule, erzählt Brit Bennett, gab es keine schwarzen Autoren, keine schwarze Geschichte. Foto: Imago

Brit Bennett berichtet darin zum Beispiel von den mitfühlenden Reaktionen ihrer weißen Freunde nach dem Freispruch von Darren Wilson, der in Ferguson, Missouri den unbewaffneten Teenager Michael Brown erschoss. „Manchmal denke ich, gute weiße Menschen erwarten, für ihre Anständigkeit belohnt zu werden“, schreibt sie. Und als ich ihr sage, dass mich dieser Text ratlos gemacht habe, weil ich nicht wisse, was dann für mich zu tun bleibe, lacht sie. „Der Text will Fragen stellen.“ Das tut er sehr wirkungsvoll. Was sollen die gute Absichten, wenn in der Wirklichkeit Schwarze in allen möglichen Bereichen diskriminiert werden? „Wofür sind eure guten Absichten gut, wenn sie uns töten?“

Brit Bennett ist mit solchen guten Absichten großgeworden, nicht aber ihre Eltern. Sie erzählt von ihrer Mutter, die in Louisiana aufwuchs, als Kind einer Familie von kleinen Farmern, die die Pacht für das Land, das sie bestellten, mit einem Teil ihrer Ernte bezahlten. Schwarze und Weiße gingen in getrennte Schulen, Rassentrennung gab es auch im Bus. „Das war direkter, freimütiger Rassismus“, sagt Brit Bennett, genau wie ihr Vater ihn kennenlernte, der in einer von Gewalt geprägten Nachbarschaft in Los Angeles aufwuchs. Von Gleichberechtigung war erst gar nicht die Rede. Der Rassismus, mit dem sie selbst aufgewachsen ist, erfordert mehr Nachdenken.

Was das Thema angeht, habe sie alles von ihren Eltern gelernt, nicht an der staatlichen Schule, die sie besuchte. Dort habe es keine schwarzen Autoren gegeben, keine schwarze Geschichte. „Deshalb“, so sagt Brit Bennett, „gibt es auch keine Sprache dafür.“ Schon gar keine gemeinsame. Sie erzählt dazu eine Anekdote. Beim Besuch des Konzerts eines Gospel-Chors habe eine weiße Familie hinter ihr Platz genommen. Das vielleicht sechs Jahre alte Kind, habe gefragt, warum in dem Chor alle schwarz seien, die Eltern, hätten es zum Schweigen gebracht. „Dabei war das eine berechtigte Frage“, sagt sie. „Sie hätten ihm erklären sollen, dass Gospel-Chöre Teil der afroamerikanischen Kultur sind, dass das mit der Geschichte der Sklaverei zusammenhängt.“

Die Lektion, die sie ihrem Kind stattdessen gaben, lautete: Darüber spricht man nicht. „Weil sie nicht wissen, wie“, sagt Brit Bennett. Aber bestimmt haben sie es gut gemeint. Das nützt bloß nichts.

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