Börne-Preis Goetheanisch grundiert

Der Autor und politische Kopf Rüdiger Safranski erhält den Börne-Preis 2017.

Rüdiger Safranski im Jahr 2014. Fotograf: dpa

Eine Entscheidung voller Idealismus – so viel darf man vorab zu dem Votum des Schauspielers Christian Berkel für Rüdiger Safranski sagen. Als alleiniger Preisrichter hat sich der Schauspieler Berkel entschieden, dem Schriftsteller Safranski den Ludwig-Börne-Preis 2017 zuzusprechen. Die kluge Wahl ist beider würdig: zwei Künstlern, zwei auch politisch denkenden Köpfen. Ein durch das Fernsehen bekanntes Gesicht ehrt einen Bestsellerautor, der, auch tv-affin, gleichwohl die Geistesgegenwart seiner Leser auf souveräne Weise beansprucht.

Safranski, so Berkel, ertrage den „Gegenwind der politischen Klasse, die seine Meinungen und Analysen mitunter als störend empfindet, gelassen“. Über den Tag und dessen Turbulenzen hinaus hat sich Safranski aber beharrlich für das Langzeitgedächtnis zuständig gefühlt mit seinen Büchern über Goethe oder Schiller, über das Gespann Goethe und Schiller, über Großmächte der Geistesgeschichte aus Klassik und Romantik, etwa über den „Phantasten“ E.T.A. Hoffmann oder einen Protagonisten der „wilden Jahre der Philosophie“, Arthur Schopenhauer.

Ohne bisher direkt auf Ludwig Börne zuzusteuern, ist der durch das erste Drittel des 19. Jahrhunderts enthusiastisch streifende Safranski dem politischen Kopf Börne immer schon recht nahe gewesen. Berkel hat die Bücher Safranskis so verstanden, dass sie den seit der Romantik für das deutsche Befindlichkeitsdasein andauernden Konflikt zwischen den Ansprüchen des Geistes und den kruden Gegebenheiten thematisieren – ein Widerstreit, auf den ein Ludwig Börne (1786-1837) kompromisslos reagierte.

Der im jüdischen Getto Frankfurts geborene und ins Pariser Exil getriebene Börne hat auf die Zumutungen gewiss scharfzüngiger retourniert als der zumeist äußert souveräne, goetheanisch grundierte Safranski. Gleichwohl, wenn der 72-jährige Autor am 28. Mai in der Frankfurter Paulskirche den mit 20 000 Euro verbundenen Preis in Empfang nimmt, darf man einer Feierstunde des Idealismus auch für den Radikaldemokraten Börne entgegensehen.