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Ayobami Adebayo Die besseren Versionen unseres Selbst

Eine Begegnung mit Ayobami Adebayo, die in ihrem Debütroman „Bleib bei mir“ von ungewollter Kinderlosigkeit, Verlust und schier unglaublichem Verrat erzählt.

Ayobami Adebayo
„Wenn die Last zu groß ist, knickt selbst die Liebe ein“, sagt Ayobami Adebayo. Foto: privat

Es gibt diesen Punkt in Yejides Leben, da sagt sie zu ihrem Mann: „Akin, ich glaube, es wird ein Mädchen.“ Jenes ungeborene Kind, das ihren Bauch wachsen lässt. Auch noch, als mehrere Ärzte ihr mit Blick aufs Ultraschallbild mitgeteilt haben, dass da nichts sei in ihrem Leib. Yejide aber hält diese Scheinschwangerschaft, die sie in einer kuriosen Zeremonie auf dem „Berg der beispiellosen Wunder“ empfangen hat, mehr als ein Jahr lang aufrecht. Pseudocyesis lautet der medizinische Fachbegriff für das, was die nigerianische Autorin Ayobami Adebayo in ihrem Debütroman „Bleib bei mir“ tragikomisch schildert.

Es ist nur eine von vielen Diagnosen, die das auch nach Jahren noch ungewollt kinderlose Eheleben von Yejide und Akin belasten. Als die junge Frau sich in ihrer Verzweiflung dem Aberglauben eines Wunderheilers zuwendet (der zu Zeiten seiner Abwesenheit per Schild mitteilt: „Wenn Sie ein Wunder brauchen, kommen Sie bitte nächsten Monat“), da hat sie schon einiges ertragen. Hat sich gegen den Reproduktionsdruck ihrer Schwiegermutter und der weiteren Verwandtschaft „mit millionenfachem Lächeln gewappnet: dem Vergebt-mir-Lächeln, dem Habt-Mitleid-Lächeln und dem Ich-vertraue-auf-Gott-Lächeln. Mit jedem nur erdenklichen Lächeln, das man braucht, um einen Nachmittag mit einer Gruppe von Menschen zu überstehen, die vorgibt, nur das Beste für einen zu wollen, während sie mit einem Stock in offenen Wunden stochert“.

Dass dem Paar, das sich einst gegen die Polygamie entschieden hat, nun eine Zweitehefrau aufgedrängt wird, damit wenigstens Akin nicht kinderlos bleiben möge, das aber ist der Demütigungen eine zu viel.

„Es gibt viele Frauen, die mit Leuten umgehen müssen, die denken, sie hätten ein Recht, ihnen zu sagen, wie sie ihr Leben zu leben haben“, kommentiert Ayobami Adebayo im Gespräch mit der FR, „viele Paare, die die Erwartungen ihrer Familienmitglieder, ihre eigenen Erwartungen und die Realität ihres Ehelebens miteinander in Einklang bringen müssen, um einen Mittelweg zu finden, auf dem sie einigermaßen bequem laufen können.“

Ruhig, beinahe ein wenig verharmlosend erläutert die Autorin den Grad an externer Einmischung in intimste Lebensentscheidungen, den sie insbesondere ihrer Protagonistin zumutet. Da sagt etwa die Schwiegermutter zu Yejide: „Frauen machen Kinder, und wenn du das nicht kannst, bist du nur ein Mann.“ Später, wenige Tage nachdem Yejide dann doch ein Kind geboren hat, wird sie ihr die Finger in die Vagina stecken, um zu prüfen, ob diese schon „fest“ genug sei, um sich an die Produktion des nächsten Kindes zu machen.

Es sind erdrückend einengende, sexistische Rollenvorstellungen, denen sich das junge Paar im südwestlichen Nigeria der achtziger Jahre ausgesetzt sieht. Dennoch betont Adebayo, den Schmerz eines unerfüllten Kinderwunsches und den Erwartungsdruck auf Frauen, Mutter zu werden, gebe es schließlich überall: „Die kulturellen Feinheiten mögen sich unterscheiden. Aber die Sehnsucht und diese tiefe Frustration, etwas nicht haben zu können, was du dir so sehr wünschst, verbinden Menschen über Grenzen hinweg. Ebenso die Tendenz Angehöriger, sich Meinungen dazu zu erlauben. Ich persönlich kann mich glücklich schätzen, eine Familie zu haben, die mich mein Leben nach meinen eigenen Regeln leben lässt. Wenn mir nahestehende Menschen, die ich liebe und nicht verlieren möchte, Druck auf mich ausüben, ist das sicher sehr viel schwieriger auszuhalten.“

Aufgewachsen auf dem Universitätscampus der Stadt Ife, fing die 1988 geborene Autorin schon früh mit dem Schreiben an. „Ich erinnere mich sehr gut an mein Notizbuch, das ich als Neunjährige hatte“, sagt sie; ein gelbes Notizbuch, dem mit den Jahren viele folgen sollten. 2007 mit 19 Jahren besuchte sie den ersten der mittlerweile regelmäßig abgehaltenen Schreibworkshops der weltbekannten Schriftstellerin Chimamanda Ngozie Adichie in Lagos. „Das war eine gute Zeit, um über das Schreiben als Handwerk nachzudenken. Es hat mir sehr geholfen, diesen Schritt schon so früh zu vollziehen. Mich weiterzuentwickeln von dem Gedanken, Talent zu haben, dahin, hart daran arbeiten zu müssen, mein Handwerk zu beherrschen.“

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