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Autorin im Exil Geduldige Stadt

Die iranische Autorin Pegah Ahmadi hat in Frankfurt Zuflucht gefunden. Bei ihrer Lesung im Literaturhaus sagt sie, ihr gefalle an der Stadt am meisten "die Freiheit". Von Christoph Schröder

15.01.2010 00:01
Christoph Schröder
Frankfurt ist "Stadt der Zuflucht" für Pegah Ahmadi. Foto: sahneha

Ganz zum Schluss wird Pegah Ahmadi noch gefragt, was ihr am besten an Frankfurt gefalle. Ihre Antwort kommt spontan und ist so überraschend wie einleuchtend: "Die Freiheit". Darauf wäre man als Frankfurter nicht als erstes gekommen. Für zwei Jahre wird die 1974 geborene iranische Lyrikerin nun hier im Rahmen des europäischen Netzwerks "Städte der Zuflucht" leben. Die Stadt stellt eine Wohnung in Sachsenhausen zur Verfügung; die Buchmesse unterstützt die Initiative mit einem Stipendium, und die Gesellschaft litprom übernimmt die Betreuung der Autorin.

Die Welt ist eine Schachtel

Die stellte sich im Hessischen Literaturforum im Mousonturm erstmals einem enorm interessierten Publikum vor - mit grüner Schleife im Haar, die sie auf dem Podium um das Mikrofon band. Grün, die Farbe der iranischen Opposition. Im Gespräch mit dem Lyriker Matthias Göritz wurde deutlich, welche Kraft die Literatur im Allgemeinen und die Lyrik im Besonderen im Iran entfaltet, welche Bedeutung sie traditionellerweise für das Volk hat und warum das Ahmadinedschad-Regime so entschieden gegen Schriftsteller vorgeht. "Wir schreiben nicht über die Natur oder solche Dinge", sagt Ahmadi, "wir benennen konkrete politische und gesellschaftliche Probleme." Es ist kein Widerspruch, dass sie die US-Lyrikerin Sylvia Plath als eines ihrer großen Vorbilder betrachtet.

Ihren in ihrer Heimat verbotenen Lyrikband "Rehgesang" hatte Ahmadi im Gepäck, als sie nach Deutschland ausreiste. Die Übersetzerin Jutta Himmelreich hat bereits einen Teil ins Deutsche übertragen und las im Literaturforum einige Gedichte vor. Nach einer Aufzählung herrschaftlicher Symbole ("große Fahnen, große Kriege, große Diktatoren") heißt es da etwa am Ende nur: "Doch die Welt ist für mich nichts als eine kleine Schachtel, randvoll mit der Gewalt der Buntstifte." Und in einem Gedicht über ihre Heimatstadt Teheran schreibt Ahmadi: "Die Welt hat unser grünes Meer gesehen" und "Wie geduldig die Stadt, mit ihren schwarzen, verdreckten Einzelzellen".

Sie hoffe, so Ahmadi, dass die Situation im Iran sich schnell ändere. Die Autoren und Künstler im Exil bilden eine Informationskette, halten Kontakt untereinander und zu den Freunden im Iran, via Mail und Facebook beispielsweise, obwohl Irans Zensur auch darüber wacht. Nun sei sie, sagt Ahmadi, glücklich, in Frankfurt zu sein, frei durch die Straßen laufen zu können, zu arbeiten, zu atmen. Zurückkehren nach Teheran wolle sie irgendwann, nur: "In dieses Land kann man im Moment nicht zurückgehen."

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