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Auszeichnung Nestor der Buchlandschaft

Die Freunde der Berliner Staatsbibliothek ehren den Verleger Klaus Wagenbach.

Bevor eine Bibliothek Bücher für Leser und Wissenschaftler zugänglich macht, müssen sie erst einmal erschienen sein, muss ein Verleger sich gefunden haben, der sie anregt, sich für sie einsetzt. In manchen Fällen muss er sich sogar vor Gericht für sie verantworten. Ein Verleger von dieser, der kämpferischen Sorte ist Klaus Wagenbach. Am Dienstagabend erhielt er den Max-Herrmann-Preis der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin – und statt der angekündigten einen Laudatio gab es gleich vier.

Die Auszeichnung erinnert an den Begründer der historischen Theaterwissenschaften. Max Hermann, 1895 geboren, arbeitete jahrzehntelang in der Preußischen Staatsbibliothek an seinen Schriften, auch noch, als die Nazis ihn seiner jüdischen Herkunft wegen seine Professur an der Friedrich-Wilhelms-Universität nahmen und er in der Bibliothek nur noch im Stehen die Bücher einsehen durfte. André Schmitz, Vorsitzender des Vereins, flocht in seine Lobrede auf Wagenbach ein, dass der Preis eine Erfindung der DDR-Staatsbibliothek für verdienstvolle Mitarbeiter war. Es war der Feuilletonist Heinz Knobloch, der nach der Vereinigung anregte, ihn in eine öffentliche Auszeichnung zu verwandeln.

Der Ost-West-Hintergrund ist bei Wagenbach interessant, da er ja seinen Verlag 1964 als Ost-West-Projekt gedacht hatte, aber schon im Jahr darauf wegen der Veröffentlichung von Gedichten Wolf Biermanns Ärger mit der DDR-Kulturpolitik bekam. Späterer Ärger kam in den 70ern aus der Wirtschaft (wegen eines Buches über Siemens), von der Polizei (wegen „Ehrverletzung“) und der Politik (wegen Büchern aus dem RAF-Umfeld). In den ruhigeren 80ern schärfte sich das literarische und kulturhistorische Profil des Verlags, auch das gestalterische.

Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek, lobte Wagenbachs Rolle für die Stadt, nannte ihn, den so oft angegriffenen, einen Nestor der Berliner Buchlandschaft. Denn in West-Berlin habe es neben ihm nur Wolf-Jobst Siedler als Verlegerpersönlichkeit gegeben. Die Journalistin Franziska Augstein pries als eigentliche Laudatorin schließlich Wagenbachs Liebe für die italienische und französische Literatur und sagte, er habe sein Werk damit gekrönt, vorausschauend seine Nachfolge zu bestimmen. Und so sprach Susanne Schüssler, seine Ehefrau, die seit 15 Jahren den Verlag leitet, die eigentlich für die Dankesrede angekündigt war, auch noch mal ein paar lobende Worte. Klaus Wagenbach selbst, 87 Jahre alt, ist etwas schwach auf den Beinen, musste gestützt werden, als er zum Händeschütteln aufstand und sich mit einem Winken ans Publikum wandte.

Vor allem schaute Susanne Schüssler nach vorn. Mit dem Lauterwerden der Populisten dürfe man die von den 68ern erkämpfte Freiheit der Meinung nicht preisgeben, sagte sie. „Wir sollten möglichst heiter und gelassen Ausrufezeichen setzen mit Büchern.“ Und das war ein Satz ganz im Sinne von Wagenbach.

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