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Ausstellung unsere welt ist sehr schön

Das Goethehaus Frankfurt zeigt Arbeiten des Setzers Hermann Rapp.

Kunst und Natur. Aus „Goethe ,Die Natur‘“, 1999. Foto: Freies Deutsches Hochstift/Frankfurter Goethe-Museum

Der Bleisatz, einst das Maß aller Dinge auch im Redaktionsalltag (inzwischen vor unserer Zeit, aber die tollen Geschichten sind noch im Umlauf), hat sich in die Kunst zurückgezogen. Dort geht es ihm sehr gut, aber besonders gut geht es ihm in den Arbeiten des Schriftsetzers und Grafikers Hermann Rapp.

Rapp, der 2015 gestorben ist, gründete 1989 seine eigene Bleisatzwerkstatt in Neuweilnau im Taunus. Sie hieß Offizin Die Goldene Kanne, nach dem Häuschen, in dem sie sich befand. Aber der Name des Hauses der Frau Rat am Frankfurter Rossmarkt (zum Goldenen Brunnen) durfte mitschwingen. Das ist nicht die einzige Beziehung zum Freien Deutschen Hochstift im Goethehaus, in dessen Arkadensaal am Sonntag eine Rapp-Ausstellung eröffnet wird. Gemeinsam mit Bibliotheksleiter Joachim Seng (seinerseits Sohn eines Schriftsetzers) hatte Rapp das schon geplant, durch Krankheit und Tod wurde alles zurückgestellt und jetzt durch die Witwe Gisela Rapp von einer umfangreichen Schenkung begleitet. Praktisch alles, was an Wänden und in Vitrinen zu sehen ist, wird anschließend in den Bestand des Freien Deutschen Hochstifts im Goethehaus übergehen.

Das passt. Rapp, 1937 in Schwaben geboren, umkreist mit seinem Werk zwar noch mehr Hölderlin als Goethe, aber Goethe auch, und am Ende gibt es sogar noch einen Hugo-von-Hofmannsthal-Text als weiteren Beitrag zu einem Frankfurter Sammlungsschwerpunkt. In Kleinstauflagen – 40 Stück bei den alljährlichen „Viertelbögen“ war eine höhere Zahl – gingen sie durch die Handpresse, eigentlich keine Bücher oder Mappen, sondern Kunstobjekte, unerhörte Schmuckstücke aus erlesenstem, auch aus weiter Ferne beigeschafftem Material, mit Grafiken versehen und mit alten Lettern (aber nicht altmodisch) bedruckt. „Was eben so ins Haus kommt“, so Rapp, der auch von „Liegengelassenem“ sprach.

Es gibt aber auch immer etwas zu lesen. Man schlüpft dabei ins Denken Rapps, der eine eigenwillige Textauswahl traf und auch kurz kommentierte. Zu einer Sage, in der es ums Teilen geht: „vielleicht wäre die heutige forderung, dass die für alle ausreichenden ressourcen so zu verteilen sind, daß alle hungernden satt würden, daß alle menschen ausreichen wasser hätte und daß alle bildung genießen könnten. wissend, daß das glück wichtig ist, wissend daß unsere welt sehr schön ist und wissend, daß unser leben nur ein einziges mal stattfindet.“ Das klingt einfach und ist sehr anspruchsvoll. So ist das hier.

Goethehaus Frankfurt: 3. Dezember bis 3. Februar. Offene Werkstatt (mit der Gelegenheit, Rapp’sche Druckplatten zu verwenden) am 2. Dezember (12.30-14.30 Uhr) und 9. Dezember (11–14 Uhr). www.goethehaus-frankfurt.de

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