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Alter Mann in Tibet Pittoreskes Tibet

Jean-Marie Blas de Roblès salopper Unterhaltungsroman „Der Mitternachtsberg“ über eine Akademikerin und einen Zausel.

Tibet
In Tibets Bergen. Foto: afp

Unwahrscheinlich, dass der alte Hausmeister Bastien es in den Himalaya schafft. Die 3650 Höhenmeter von Lhasa schrecken den Rentner-Yogi zwar nicht, er kann auch Sanskrit, macht Tai Chi und weiß alles über Tibet. Aber die ganze Erleuchtetheit ändert nichts am materialistischen Fakt, dass er sich die Erfüllung seines Lebenstraums nie wird leisten können. Wäre er nicht eine Romanfigur.

Nachdem der neue Direktor des Jesuiten-Gymnasiums ihm nach geschätzten 60 Jahren Stelle und Wohnung kündigt, hat er nicht mal genug, um eine neue anzumieten. Da begegnet er im Treppenhaus der Historikerin Rose, die seit kurzem mit ihrem kleinen Sohn einen Stock unter ihm wohnt. Die Mittvierzigerin hat auch ein Problem; und so stehen die beiden nur drei Wochen später zusammen auf dem „Dach der Welt“. So in etwa steht das auch im Klappentext.

Die Roadmovie-Kombi aus alleinerziehender Akademikerin und armem Zausel voll buddhistischer Lebensweisheiten erfüllt alle Kriterien für eine Feel-Good-Unterhaltung. Ein Paar werden die beiden ungleichen Reisegefährten nicht, für das kleine Kribbeln kommt ein gut aussehender Dreißigjähriger dazu, der nett, aber nicht weiter wichtig ist.

Roses Sohn bleibt daheim bei einer Tante und erhält die Rolle des Schriftstellers, der diese Geschichte im Nachhinein aufschreibt, während die Mutter ihn lobt und mit nachträglichen Bekenntnissen korrigiert. Dieses literarische Konstrukt hätte nicht sein müssen.

Die Geschichte erschöpft sich auch nicht im natürlich schicksalhaften Besuch des schichtkuchenartigen Potala-Palasts oder weiteren atemberaubenden Treppenanstiegen und Begegnungen mit pittoresken Tibetern. Das „Theater der Erinnerung“ in diesem „Triumph der Helligkeit“ bringt auch jede Menge Stockdunkles zum Vorschein. Thule, Tempelritter, Tibetische Arier-Brigaden, Nazi-Okkultismus, Gestapo-Folter, Kollaboration, Selbstmord, Okkultismus, Schuld, Verschwörungstheorien, you name it. All das bestimmt gründlich recherchiert vom weitgereisten Philosophen und Historiker Jean-Marie Blas de Roblès. Und im Vergleich zu dem barocken 800-Seiten-Roman „Wo Tiger zu Hause sind“ (u.a. über den Jesuiten Athanasius Kirchner) ist der tibetische „Mitternachtsberg“ mit seinen locker geplauderten 170 Seiten ein fast übersichtliches Divertissement für den 1954 in Algerien geborenen Schriftsteller. Sein Hobby ist übrigens Tiefsee-Archäologie.

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