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„Acht Betrachtungen“ Endlich hilft mir mal jemand

Autorinnen und Autoren auf einem spektakulären, aber nicht bequemen Langsofa: Zum Abschluss der neuen „Acht Betrachtungen“, einer gelungenen Zusammenarbeit von Literaturhaus Frankfurt und MMK.

Im Literaturhaus Frankfurt, auf einem faltbaren Langsofa, das offenbar besonders unbequem war, fanden sich nach und nach die Autorinnen und Autoren ein, die im Verlauf der vergangenen Monate an der Reihe „Acht Betrachtungen“ teilgenommen hatte. Dabei können sich die Eingeladenen je ein Kunstwerk aus dem Museum für Moderne Kunst aussuchen und sollen dann einen Text schreiben, der dazu in irgendeinem Zusammenhang steht.

So kehrten die Gespräche, unterschiedlich wie die beteiligten Menschen, auch immer wieder zu der Frage zurück, wie man sich als Schriftsteller überhaupt zum Schreiben bringt. Annette Pehnt – die Christian Boltanskis „Les Suisses Mort“ wählte – berichtete, dass sie derzeit, sogar seit Jahren schon keine Geschichte, keinen Roman schreiben könne und wolle (es war leider nicht der Moment, mehr über dieses für eine Schriftstellerin ja nun einschneidende Situation zu erfahren).

Jan Brandt(Nicole Wermers „Verbarrikadiertes Zimmer“) freute sich über das Geld und darüber, dass die Reihe kein „Thema“ habe, wie es bei Anthologien sonst üblich sei. „Krieg“ oder „Die Wildnis in der Stadt“. Tilman Rammstedt (Isa Genzkens „Oil“) erzählte, wie er inkognito durch das Museum gestreift sei und immer nur schnell gefragt habe: Was bringt es mir? Und gedacht habe: Du nicht, du auch nicht. Und vor „Oil“ dann: „Endlich hilft mir mal jemand.“

Hingegen erzählte Karen Köhler (Cy Twomblys „Problem I, II, III“), dass sie im Museum kaum vorankomme vor lauter Gucken. Lars Brandt (Francis Bacons „Nude“) brachte sich beim ersten Mal eine Lupe mit, um das von ihm ausgesuchte Werk ernsthaft aus der Nähe zu betrachten. Als Bacon-Marktpreise eingeworfen wurden, lohnte es sich, in die vor Staunen riesigen Augen von Nino Haratischwili(eine Fotografie Nobuyoshi Arakis) zu sehen. Tatsächlich sind das Kontraste zum normalen Künstlerleben, die einen Künstler für den Augenblick aus dem Gleis werfen müssen.

Der Abend war zugleich die erste Gelegenheit, das Buch zur Reihe zu kaufen: „Acht Betrachtungen“, erschienen bei den Frankfurter Henrich Editionen, 176 Seiten, 16 Abbildungen, 9,95 Euro. Literaturhausleiter Hauke Hückstädt, der auf dem Sofa auch nur ziemlich kurz sitzen musste, machte darauf aufmerksam, wie schön seine Farbe mit der des Buches korrespondierte. So hellbräunlich. SeitSasa Stanisics „Fallensteller“-Geschichte aus der ersten Runde in dessen gleichnamigen Erzählungsband wieder auftauchte, ist unser Respekt vor der Reihe um fünfzig Prozent gestiegen. Er war schon vorher nicht geringfügig.

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