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Lesung Kulturbahnhof Deutschland ohne Ausländer nicht besser dran

Der Journalist Matthias Thieme und der FR-Hessenkorrespondent Pitt von Bebenburg entwerfen in ihrem Buch das Szenario eines Deutschlands ohne Ausländer. In Mörfelden-Walldorf liest Bebenburg aus seinem Buch vor.

25.10.2012 13:14
Pitt von Bebenburg liest im Kulturbahnhof. Foto: Sebastian Schwappacher

Deutschlandfahnen sind überall ausverkauft, auf den Autobahnen bilden sich lange Staus, vereinzelt wird mit Feuerwerk die Ausreise von rund 7,4 Millionen Ausländern gefeiert: So beginnt das Szenario „Deutschland ohne Ausländer“, das der Journalist Matthias Thieme und der FR-Hessenkorrespondent Pitt von Bebenburg in ihrem gleichnamigen Buch entwerfen.
Die drastischen Folgen der erzwungenen Ausreise schildern die beiden Autoren an Beispielen aus Wirtschaft, sozialem und kulturellem Leben.
Im Mörfelder Kulturbahnhof stellte Bebenburg am Dienstag Passagen aus dem Buch vor. Dabei wurde deutlich, dass Deutschland ohne seine Bewohner mit ausländischen Pässen in allen Bereichen des Lebens wohl ein anderes und ärmeres Land wäre.
Den Hintergrund für das Szenario bildet die Annahme, dass eine rechtspopulistische Regierung die Ausreise aller Ausländer verfügt, um für die deutsche „Kernbevölkerung“ Chancengleichheit und Wohlstand zu sichern. „Deutschland den Deutschen. Ausländer raus“ – diese rechte Parole habe man für die Arbeit an dem Buch wörtlich genommen, erklärte Bebenburg.
Akribisch wurden Zahlen und Statistiken zusammengetragen und Interviews mit Experten geführt. In der Debatte über Zuwanderung und Migration gebe es zu viele Vorurteile und zu wenig fundiertes Wissen, sagte Bebenburg. Das Buch solle dabei helfen, die Behauptung zu widerlegen, Deutschland sei ohne Ausländer besser dran.

Schreckliche Szenen mit alten Menschen

Besonders Pflege-Einrichtungen hätten unter einem ausländerfreien Deutschland zu leiden. Bebenburg schildert schreckliche Szenen mit alten Menschen, die ohne Hilfe in Seniorenheimen umherirren und die man, aufgrund des fehlenden Personals, mit Psychopharmaka ruhigstellt.
„Es betrifft aber keineswegs nur den Niedriglohnsektor“, betonte der Journalist. In der Automobilbranche gebe es eine lange Tradition von Designern ohne deutschen Pass, und die Gastronomie sei ohne Ausländer kaum vorstellbar. „Die Geschäftswelt wird oft von ihnen mit aufgebaut“, führte er mit Blick auf Frankfurt aus: Von 12?000 Unternehmensneugründungen gingen 2010 rund 7000 auf das Konto von Ausländern.
Im Stadtteil Gallus liege der Ausländeranteil bei 41 Prozent, nach einer verordneten Ausreise verwaise das Viertel. Die Fußball-Bundesliga müsste auf gut 200 Spieler verzichten und verliere einen Großteil ihrer Anziehungskraft und viele Zuschauer, die nicht mehr in Deutschland leben dürften.
Sarrazins Erfolg als Anstoß

Gegenentwurf zu Sarrazins Buch

Der große Erfolg von Thilo Sarrazins Büchern habe ihn nachdenklich gemacht, erzählte Bebenburg im Anschluss an die Lesung. Dessen faktenarmen Ausführungen habe er etwas entgegensetzen wollen. Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen dürfe man nicht ausblenden, aber auch nicht aus einer ethnischen Zugehörigkeit ableiten.
Gefragt, ob das Szenario denn realistisch sei, verwies Bebenburg auf Untersuchungen, die für die deutsche Bevölkerung seit Jahrzehnten ein hohes rassistisches Potenzial nachwiesen. Demnach stimme die Hälfte der Befragten der Aussage zu, dass in Deutschland zu viele Ausländer lebten.
Zwar gebe es aktuell keine erfolgreiche rechtspopulistische Partei, die alle Ausländer des Landes verweisen wolle, doch könne dies schnell anders sein. Stimmungsmache, wie die des hessischen CDU-Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Irmer gegen den Islam, sei daher schlimm und gefährlich. (eda.)

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