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La phrase Il me semble, que je serais toujours bien là, où je ne suis pas

Die Frankfurter Buchmesse empfängt Frankreich. Die FR-Sommerserie „La phrase“ stimmt mit französischen Sätzen darauf ein. Teil 1.

Gassi
Herrchen oder Frauchen bekennen sich auf ihre Weise zu Frankreich. Foto: afp

Um uns allen die warme und entspannte Jahreszeit zu verkürzen und mit vibrierender Vorfreude einem kühlen, dunklen und sicher auch feuchten Herbst in die Arme zu laufen, haben wir uns auch in diesem Jahr eine FR-Sommerserie ausgedacht. Mit dem Herbst wollen wir hier die Frankfurter Buchmesse herbeischreiben. Sie beginn am 11. Oktober. Also bald, bälder als man den Ostseesand aus der Badehose geschüttelt kriegt.

Das Gastland wird Frankreich sein: „Francfort en français“ (,Frankfurt auf Französisch“) lautet der bereits ausführlich propagierte dazugehörige Slogan. Die wenige Zeit, die uns bis dahin zur Verfügung steht, wollen wir nutzen, um uns darauf einzustimmen.

Einen Französischkurs können wir hier mit unseren teils nur rudimentären sprachlichen und pädagogischen Kompetenzen leider nicht anbieten, aber wir wollen versuchen, ein paar französischsprachige Diamanten zum Funkeln bringen. Ohne vorzugreifen, hier schon mal ein paar Schmuckstücke im deutschsprachigen Abglanz: „Der Staat bin ich“, „Dann sollen sie doch Kuchen essen!“, „Nein, ich bereue nichts“, „Die schönsten Paradiese sind die verlorenen Paradiese.“

Jede Folge widmet sich also einem berühmten französischen Satz (la phrase), einem gedrechselten Gedanken, einem historischen Bonmot oder einem lebensweisheitlichen Ratschluss. Es geht um Sätze, deren Klang man wohl kennt, die sich durch häufiges Zitieren vielleicht aber schon so weit abgeschliffen haben, dass sie beim schmeckenden Übersetzen widerstandsloser durchschlüpfen, als es ihnen angemessen wäre.

Es geht um Sätze, die nicht besser gesagt werden können. Schon gar nicht auf Deutsch. In denen aber dennoch frischste, bewahrungswürdigste Gedanken eingefroren sind. Und es geht um Sätze, die man auch ohne Französischkenntnisse mit ein bisschen Nasalier-Übung auswendig lernen und anbringen kann, um ordentlich Eindruck zu machen.

Bevor wir ein erstes Beispiel geben, müssen wir nach teilweise lachhaft peinlichen Erfahrungen, die wir bei Selbstversuchen gesammelt haben, noch unsere Haftungsbeschränkung unterbringen, bitte nicht überlesen: Für Wirkungen und Folgen der von den Autoren der FR-Sommerserie nach bestem Wissen und Gewissen zur Auslegung ausgewählten französischen Zitate sind die Zitat-Ausleger ebenso wenig haftbar zu machen wie die Zitat-Urheber, und zwar unabhängig davon, ob letztere noch leben oder, dann aber erst recht, schon tot sind. Dies gilt sowohl für den Fall (a), dass die erwünschten Wirkungen und Folgen ausbleiben, als auch für den Fall (b), dass sie sich nach ihrem Eintreten als unerwünscht herausstellen.

Nun zur Praxis. Man nehme den Autorennamen, um gleichsam den Vorhang zu öffnen: „Wie sagte schon Charles Baudelaire...“ Dies wäre ein sehr geeigneter Autor schon wegen seines Namens, den man mit gutturalem Genuss ausspreche, so als rolle man einen guten Schluck Burgunder durch die Mundhöhle. Hier setze man eine solide, Aufmerksamkeit ansaugende Kunstpause.

Und dann beginne man leise sinnend und tastend mit dem eigentlichen Ausspruch: „Il me semble, ...“ – halbe Kunstpause, dann schneller – „... que je serais toujours bien là, ...“ – halbe Kunstpause, dann brutal, arrogant und resigniert: „... où je ne suis pas.“ (,Mir scheint, dass ich mich stets dort wohlbefinde, wo ich nicht bin.“)

Wir wissen nicht, bei welcher Gelegenheit oder in welchem Zusammenhang Baudelaire diese Bredouille des Daseins in Worte gefasst hat. Aber das ist egal, denn sie gilt immer und vor allem – leider! – überall. Natürlich mutet man der Gesellschaft, in der man dies sagt, die leise Kränkung zu, dass sie zum Wohlbefinden des Sprechenden offenbar nichts beizutragen hat. Andererseits ist diese Weisheit in ihrer Dialektik für jeden anschlussfähig und außerdem in ihrer Tragik eingedämmt durch das wahrnehmungsskeptisch vorangeschobene: „Mir scheint“.

In jedem Fall ist es ein Satz, nach dem man sehr gut einen Runde verlässt und mithin die Bedingung für Wohlbefinden schafft, dort, wo man nun nicht mehr ist.

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