Lade Inhalte...

Städelschule Und darunter ist immer die Erde

Absolventen der Städelschule zeigen im MMK Frankfurt gleich an zwei Stellen ihre Abschlussarbeiten.

Max Eulitz
Max Eulitz: Trapped in the Main Stream (Gefangen im Main Stream), 2017. Foto: Axel Schneider

Einer assoziiert Moder. Ein anderer Schimmel, was auf das Gleiche hinaus läuft – sie verlassen den Raum ziemlich schnell. Für den Künstler Damien Butler ist es Petrichor. So bezeichnet man den Geruch von Regen, genauer: den des ersten Regens nach einer langen Trocken-Periode. Es ist schwer, sich das vorzustellen. Der riechende Raum im Untergeschoss des MMK 3 liegt ja in Frankfurt. Der Künstler, der dort derzeit in der Absolventenausstellung der Städelschule (Titel: „Home of the Brave“) seinen Geruch präsentiert, stammt aus Australien. Da sind die Gerüche naturgemäß anders. Eine Italienerin sei vorhin herein gekommen, erzählt Butler, die sei auf dem Land aufgewachsen und habe den Geruch sofort erkannt. Großstädter müssen passen.

Doch der Raum hat noch mehr zu bieten. Er ist winzig, dunkelblau gestrichen, und die Decke ist verspiegelt. Der Effekt ist ganz sonderbar, man muss ihn selbst erleben, nur soviel: Man fühlt sich ganz unmittelbar mit der Erde unter dem Raum verbunden. Es sei ja egal, was der Mensch alles so drauf baue, erklärt Butler, drunter sei immer noch Erde.

Dem Künstler geht es darum, die Menschen an einen anderen Ort zu bringen, die Erinnerungen an seine Heimat mit den Besuchern zu teilen. Mit Gerüchen geht das weit unmittelbarer als etwa mit Bildern oder Geräuschen. Doch viele Gerüche und Geschmäcker, so Butler, gingen einfach verloren. Etwa der von Tomaten. Er kenne einen Australier, der habe früher für die Firma Nestlé künstliche Aromen entwickelt, erzählt er. Der Mann sei jetzt Bäcker und arbeite nur mit natürlichen Zutaten. Weil er wisse, was in den üblichen Broten so alles drin steckt.

Ziemlich beeindruckt betritt man das Obergeschoss des MMK 3 – und traut seinen Augen nicht. Eben noch schien es so, als stünde man vor gerahmten farbigen Milchglasscheiben, die von hinten beleuchtet sind. Dann stellt sich heraus: Es handelt sich um gestrichenes, angestrahltes Holz – eine clevere, die Sinne täuschende Installation von Nicholas Pittman.

Auch im Museum für Moderne Kunst, das den Alumni der Städelschule in diesem Jahr zusätzliche Räume im Haupthaus zur Verfügung stellt, da die Zahl der Abgänger, 38, für das ehemalige Hauptzollamt zu groß ist, erlebt man Momente der Irritation. Ein Rudel Wölfe scheint es sich im Untergeschoss zwischen Vortragssaal und Toilette bequem gemacht zu haben. Geht man näher heran, erkennt man, dass diese Tiere gar keine Köpfe und auch keine genau definierbaren Gliedmaßen haben, was die Objekte ein wenig gruselig wirken lässt. Tatsächlich handelt es sich um geschickt über verschiedene Drahtgestelle drapierte Kunstfelle von Hanna-Maria Hammari.

Marschiert man nun Richtung Dreieckssaal, kommt man an einem Glas mit Holzrahmen vorbei, das sich auf geradezu rührende Weise um Anpassung bemüht zu haben scheint. An einem Winkel im Durchgang, der einem nun plötzlich bemerkenswert seltsam vorkommt, hat Tomás Nervi ein Objekt angebracht, das sich um die Ecke windet. Auch Julian Irlinger hat einen Raum markiert, den man so noch nicht bemerkt hatte. Es ist eine Art Durchgang im ersten Stock, der für die Öffentlichkeit nicht betretbar, jedoch von unten teilweise einsehbar ist. Die Fotografie, die nun dort hängt, korrespondiert auf wunderbare Weise mit den dort angebrachten Lampen. Es ist eines von drei Bildern in der Ausstellung, die in der New Yorker Frick Collection gemacht wurden. Es handelt sich um Linsenrasterbilder (man kennt sie als Kipp- oder Wechselbilder von Postkarten), die zwei leicht verschiedene Winkel gleichzeitig abbilden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum