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Städel Frankfurter Kunst- und Bürgersinn

„Blumen und Keramik“ (1913): Wie das Bild von Henri Matisse gleich zwei Mal ans Städel Museum kam.

Philipp Demandt
Philipp Demandt im Städel Museum. Foto: Gaby Gerster

„Blumen und Keramik“ (1913) von Henri Matisse zählt zu den absoluten Publikumslieblingen in unserem Museum. Das Gemälde gehört zu den bedeutenden frühen Stillleben des französischen Künstlers, in denen die Bildfläche rein durch dekorative Elemente strukturiert wird. Im Frankfurter Bild verbindet eine schwarze, rechteckige Form drei Gegenstände: einen Blumentopf, ein Blatt Papier und eine grüne, runde Form, die an einen Teller erinnert. Blatt und Teller scheinen zu schweben, eine räumliche Verankerung gibt es nicht.

Mit dem über Jahrhunderte tradierten Genre des Stilllebens hat diese Komposition, bei der die Farben die eigentliche Hauptrolle spielen, nur noch wenig zu tun. Matisse befreit die Gattung von der realitätsgetreuen Abbildung von Alltagsgegenständen und wird so zum Pionier der Abstraktion im 20. Jahrhundert.

Abseits dieser kunsthistorischen Bedeutung kennen allerdings die wenigsten Besucher die bewegte Geschichte der 93 auf 82 cm messenden Leinwand. Das Bild ist auf besondere Weise eng mit der Stadt Frankfurt und dem Frankfurter Bürgersinn verbunden. Zunächst hatte der Frankfurter Kunstsammler Robert von Hirsch das Werk wenige Jahre nach seiner Entstehung in der Pariser Galerie des Malers gekauft. 1917 schenkte er es der Städtischen Galerie, die 1907 von der Stadt Frankfurt gegründet worden war, um aktuelle, zeitgenössische Kunst zu sammeln und im Städel zu präsentieren.

Die zukunftsweisende Modernität, die das Werk auszeichnete, wurde ihm jedoch 20 Jahre später zum Verhängnis: 1937 wurde das Gemälde – gemeinsam mit zahlreichen anderen Arbeiten unserer Sammlung – in der Aktion „Entartete Kunst“ von den Nationalsozialisten beschlagnahmt.

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