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Sinclair-Haus Bad Homburg Ein Traum von Weiblichkeit

Die unterschiedlichsten Erscheinungsformen des Weiblichen in der Kunst der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart: Die Ausstellung „Sommer Nacht Traum“ im Sinclair-Haus Bad Homburg zeigt vielfältige Frauenmotive.

08.07.2015 17:22
Madeleine Hesse
Sigmar Polke: Freundinnen II, 1967. Bis zum 27. September ist die Schau "Sommer Nacht Traum" in Bad Homburg zu sehen. Foto: VG-Bildkunst, Bonn 2015, The Estate of Sigmar Polke, Fotonachweis: Martin Url, Frankfurt/M.

Frauen – wohin der Blick auch schweift. Den unterschiedlichsten Erscheinungsformen des Weiblichen in der Kunst der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart widmet sich das Museum Sinclair-Haus der Altana Kulturstiftung. In sommerlich türkisblauer Schrift wird der Titel „Sommer Nacht Traum“ im Bad Homburger Museum allgegenwärtig gemacht. In weiterer Anlehnung an Shakespeare begleiten Zitate seiner Figuren aus dem „Sommernachtstraum“ durch die Ausstellungsräume, hier und da mal ergänzt durch Zeilen von Ovid oder Simone de Beauvoir.

In einer umfangreich angelegten Gegenüberstellung bringt die Schau verschiedene Frauentypen- und Ideale zusammen. Der weibliche Körper zeigt sich nackt, rein, sittlich – aber natürlich auch unsittlich. So findet sich beispielsweise ein Akt Arno Rinks in roten Strümpfen unweit eines unschuldig wirkenden Mädchen in roter Kapuzenjacke von Angelika Tübke.

Zitate auf bekannte Frauenrollen und Gestalten aus der Bibel oder der antiken Mythologie tauchen durchgängig auf, nicht ohne Augenzwinkern, wenn Kiki Smiths Pietà in ihren grob skizzierten, schroffen Händen eine verstorbene Katze wiegt. Zeigt sich Michael Triegels „Christine als Flora“, kommen in einem anderen Raum Damien Cabanes grünglasierte Judith und Triegels niederträchtig dreinschauende Medea zusammen.

Frauen aller Farben, Formen

Das Sujet tritt in verschiedensten Kunststilen und Gattungen auf und bietet auf diese Weise ein breites Panorama, ein vielfältig variiertes Frauenbild: In Zeichnungen von Guillaume Bruère formen sich aus kräftigen, knallfarbigen Kreide- und Stiftstrichen expressive Paraphrasen auf Frauenmotive von Bartholomäus van Bruyn d.Ä., Maler des 16. Jarhunderts, während die 1939 geborene Barbara Klemm mit einer ganzen Reihe von Schwarz-Weiß-Fotografien vertreten ist. Ihre bekannten Porträts bebildern unterschiedliche, allesamt berühmten Frauen.

Da sticht aus dem dunkel im Hintergrund gehaltenen Publikum einer Haute Couture Modenschau 1993 strahlend weiß die Sängerin Madonna hervor, den Blick gebannt auf das ins Bild laufende Model geheftet. In einem anderen Bilderrahmen schaut Meret Oppenheim aus ihrem schwarzen Brillengestell, die Augen größtenteils verspiegelt. Und in der Nachbarschaft einer im Jahr 1971 lachenden, im Halbprofil angezoomten Ingeborg Bachmann mit kinnlangem Bob hängt das Foto der kurzhaarigen Bärbel Bohley. Es zeigt die DDR-Dissidentin, wie sie lässig eine Zigarette in der Hand hält, abgelichtet auf einer Demonstration im November 1989 in Ostberlin. Im Hintergrund befindet sich unter anderem Gregor Gysi.

Auch große deutsche Frauenmaler sind dabei. Mit hervorgerecktem grünen Bustier, einen koketten Blick zwischen dem Punktraster hindurchwerfend, reihen sich Sigmar Polkes übermalte „Freundinnen II“ von 1966 an Gerhard Richters blassgrünes Porträt „Elisabeth (I)“ und sein Akt „Badende“ von 1996, die sich keinesfalls durch verschränkte Arme und ein weißes Tuch zu bedecken vermag.

Mystisch sind die acht Frauen in Erich Kissings „Sommertag“, die den Betrachter überwiegend unverwandt anblicken und sich im Gegenzug aber scheinbar schamlos, ebenso unverwandt, ansehen lassen.

Die Frauen drapieren sich um einen sitzenden, stark behaarten Mann mit Pelzmütze, der einer vor ihm knienden Blondine das gesenkte Haupt mit einem Kranz krönt. Fast wie symbolistische Nymphen wirken die Frauen auf den Felsen und im weißen Sand vor der ruhigen, blau-grünen See. Wie aus einer fantastischen Welt, der griechischen Mythologie – würden nicht dicker Eyeliner, Schmuck und Frisuren auf eine mögliche Zeitgenossenschaft verweisen.

Die ausgestellten Werke entstammen der Sammlung von Maria Lucia und Ingo Klöcker, die seit vielen Jahren das Motiv „Frau“ verfolgten. Den Ausstellungsstücken werden ausgewählten Werke der Altana Kunstsammlung „Natur in der zeitgenössischen Kunst“ beigefügt.

So entsteht sowohl ein inhaltliches, als auch ein formales Zusammenspiel der Motive, eine vielfältige Visualisierung der in der Kunst gern vorkommenden Verbindung von Weiblichkeit und Natur.

Museum Sinclair-Haus, Bad Homburg: bis 27. September. www.altana-kulturstiftung.de

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