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Schwerpunkt Georgien Den Kopf Richtung Tiflis stecken

Das Frankfurter Museum Angewandte Kunst bietet jungen Künstlern und Modedesignern aus Georgien eine kleine Plattform für ihre vielfältigen Arbeiten.

Dina Oganova
Dina Oganova, „Megi Fiso“ aus der Serie „My Place“. Foto: Dina Oganova

In einer Ecke des Museums Angewandte Kunst ist ein winziger Galerieraum nachgebaut, das Original „befindet sich in einem ehemaligen Kiosk in einer Fußgängerunterführung im Stadtzentrum von Tiflis“, so die Information dazu. In diesem Räumchen liegen vier Bildschirme unterschiedlicher Größe, sie zeigen Brocken (Kalkgestein? Pappmachee?), in denen Räucherstäbchen stecken und vor sich hin qualmen. Damit verweisen die Videobilder, absichtlich ausschnitthaft und fragmentarisch, auf eine größere Ausstellung in Tiflis. In Frankfurt wiederum spielt die winzige „Patara Gallery“ nun deswegen eine Rolle, weil Georgien in diesem Jahr Gastland der Buchmesse ist. Und weil das Museum Angewandte Kunst zwei Handvoll junger georgischer Künstler vorstellt.

Ein rätselhafter, aber herzlicher Zettel von einer „Lara“ im Hotelzimmer der Kuratorin Mahret Kupka inspirierte den ebenfalls mysteriösen Ausstellungstitel: „Lara protects me“. Ein roter Themen-Faden ließe sich bei den sehr disparaten Arbeiten auch schwerlich finden. Das Modelabel Situationist zum Beispiel präsentiert sich mit zwei breiten schwarzen Lederkragen und einem bemalten Jackett, Designer Irakli Rusadze verwendet Schrift und Symbolik seines Landes, heißt es dazu. Eine andere Modedesignerin aus Tiflis, Tamuna Karumidze, hat eine Puppe, die sich immer wieder nach vorne beugt wie erschöpft, mit zahlreichen Kleidungsschichten bedeckt.

Von da gibt es eine Verbindung zu dem Fotografen David Meskhi, der auch Mode fotografiert. Das Museum Angewandte Kunst aber zeigt überwiegend seine originellen, die Sportler auch mal im Flug festhaltenden Turner-Arbeiten: Meskhi, der in Berlin lebt, kommt offenbar aus einer Familie von Leistungsturnern.

Auf mehrere Jahrzehnte angelegt ist ein Projekt von Dina Oganova: Sie fotografiert in ihrer Serie „My Place“ junge (und auch den ein oder anderen alten) Georgier in ihren Schlafzimmern – und möchte regelmäßig wiederkommen und nach Veränderungen schauen. Das Mobiliar dieser Räume, Goldrahmen-Bilder an den Wänden, Plüsch, dicke Vorhänge, Heiligenfiguren sind das vielleicht Verblüffendste; kein junger Mensch würde hierzulande so wohnen wollen.

Die Zahl an Werken in „Lara protects me“ ist zu klein, um daraus irgendwelche Schlüsse ziehen zu können auf eine Tendenz in der jungen georgischen Kunst. Man hat aber den Eindruck, sie sucht allemal den Anschluss an das, was im Rest der Welt an Neuem und Hippem passiert. Dies auch mit einer Klanginstallation, für die der Musiker Irakli Kiziria Geräusche der Stadt Tiflis eingefangen hat: Fauchen, Zirpen, Quietschen, Hall, Stimmen, ein Ding-Dong. Man kann seinen Kopf unter drei unterschiedliche Schirme stecken und raten, um was es sich handelt.

„Eine georgische Erzählung“ lautet der Untertitel der Schau, es kann vermutlich nicht schaden, wenn man die disparaten, manchmal bruchstückhaft erscheinenden Arbeiten als einzelne Sätze in einer größeren Geschichte nimmt. Kuratorin Kupka betonte, es handle sich hier unbedingt um einen Zwischen-, keinen Endstand. Und dass die junge Tifliser Szene stark in Bewegung sei.

Passenderweise endet die Ausstellung mit der „Patara Gallery“ und ihrem Brocken-und-Räucherstäbchen-Ausschnitt, der ja gänzlich offen lässt, wie repräsentativ er ist, wie viel von der Realität einer anderen Ausstellung er zeigt.

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