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Schirn Kunsthalle Frankfurt Bewegung und Veränderung

Eine Schirn-Installation von Maria Loboda macht auch auf eine Eidechse aufmerksam.

Maria Loboda, "Idyl in an Electronics Factory". Foto: Marc Krause

Kann sein, dass man gar nichts merkt. Weil geometrisch geschnittene Hecken in Betonkübeln im öffentlichen Raum ja nichts Ungewöhnliches sind. Als Begrenzung und Sichtschutz zum Beispiel. Oder als fragwürdige Verschönerung. In der Rotunde der Frankfurter Schirn Kunsthalle allerdings stehen die rechteckigen Heckenkübel mit den labyrinthhohen, ebenfalls rechteckigen Pflanzen vor allem im Weg. Man muss um sie herum laufen. Und noch etwas fällt auf: seltsame organische Betonformen, die aus den Pflanzenwänden herauszuwachsen scheinen und sich bei genauer Betrachtung zu einem R zusammensetzen ließen.

„Idyl in an Electronics Factory“ heißt der Titel der Präsentation von Maria Loboda, doch etwas, das an eine Elektro-Fabrik erinnert, sucht man hier vergebens. Der Titel – so erfährt man im Wandtext – zitiert die Überschrift einer Rezension, die 1963 in einem US-amerikanischen Designmagazin erschienen ist. Darin ging es um den Innenhof einer Firma für elektronisches Zubehör in Livingston, New Jersey, der von dem Landschaftsarchitekten James C. Rose (1913-1991) entworfen wurde. Rose gilt als Pionier der modernen Landschaftsarchitektur.

Im Wesentlichen ging es dem Amerikaner, der stark vom japanischen Gartenstil beeinflusst war, darum, Innen- und Außenraum miteinander zu verschmelzen. Tatsächlich ist man zwischen den Hecken ja auch irgendwie drinnen. Und noch etwas war ihm wichtig: Bewegung und Veränderung. Was naheliegt, wenn man bedenkt, dass zahlreiche Pflanzen sich permanent verändern – vor allem, wenn sie Blüten haben. Und nicht zuletzt denkt er den Menschen mit, der sich im Außenraum bewegt.

Für ihre Arbeit für die Documenta 13 („This Work Is Dedicated to an Emperor“) hat Maria Loboda 2012 zwanzig Zypressen durch die Kasseler Karlsaue gescheucht. Zentimeter für Zentimeter bewegten sie sich nächtens durch den Park wie ein Heer feindlicher Soldaten. Die Installation in Frankfurt hingegen ist statisch. Es ist der Mensch, der die Pflanzen – es handelt sich um den immergrünen portugiesischen Kirschlorbeer – umrunden muss, um die herausragenden Skulpturteile und einige rätselhafte Beschriftungen an den Töpfen zu bestaunen.

Geht man nun in die Schirn hinein, in den ersten Stock der Rotunde, dann stößt man dort auf ein großes Gemälde, das in dem kreisrunden Umlauf steckengeblieben zu sein scheint. Das Motiv zitiert die Titelseite des erwähnten Designmagazins. Das Bild ist viel zu groß für den Ort und wirkt vollkommen deplatziert. Eingezwängt wie eine Pflanze, die eigentlich strauchförmig wachsen will, von Menschen jedoch in Würfel- und Quaderformen zurechtgestutzt und in schmale Kübel gepresst wird.

„Note the Lizard on the Circuit“, Beachte die Eidechse auf dem Stromkreis, steht neben dem Bild an der Wand. Loboda, die 1979 in Krakau geboren wurde, an der Frankfurter Städelschule studiert hat und in Berlin lebt, hat das Reptil von einer Reise nach Singapur mitgebracht. Man steht ein wenig ratlos, aber auch fasziniert davor. Wie sich die einzelnen Elemente der Installation zusammenbringen lassen, dafür muss womöglich jeder seine eigenen Assoziationskette finden. „Ich liebe die Idee, dass das, was solide erscheint, immer wahnsinnig wird“, hat Loboda auf der Pressekonferenz zur Schirn-Schau gesagt. Ein Zitat zum Niederknien.

 

Schirn Kunsthalle , Frankfurt:
bis 3. Februar. www.schirn.de

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