Sarah Haffner Diese unidyllische Stille

Zum Tod der Berliner Malerin und Autorin Sarah Haffner, die sich auch in der Frauenbewegung engagierte.

Sarah Haffner
Mit 78 Jahren in Berlin verstorben: Sarah Haffner. Fotograf: imago

Wer Sarah Haffner kannte, wusste, dass sie nie nur das eine tat: Das Malen und das Schreiben, beides ging bei ihr immer ineinander über. Wo Linien und Konturen, diese starken kühlen Farbflächen, am liebsten von Nachtblau zu fast eisig gläsernem Türkis, für sie nicht hinreichten, da setzte sie Sätze aufs Papier. Etwa in einem Buch über Düfte aus der Kindheit, in Großmutters Küche und Garten, bei der Ernte, im Herbstrauch und Winter. Und wo Worte nicht hinlangten, da beschrieb, konstatierte, abstrahierte der Pinsel. Oder in den letzten Jahren Pastell und Kohlestifte.

Gerade kam die Nachricht, dass die deutsch-britische Malerin und Schriftstellerin am Sonntag 78-jährig gestorben ist, nicht im Berliner Atelier, sondern in Dresden bei ihrem Sohn, dem Fotografen David Brandt. Ihre Bilder, zuletzt 2015 in der Berliner Galerie Poll zu sehen, zeigen menschenleere Häuser-Landschaften und Berliner S-Bahnen. Tempo als Thema, fesselnd diese konzentrierte, unidyllische Stille. Sie malte das eigene Gesicht am Fenster oder vorm Spiegel, mit der prägnanten Hornbrille, als richtete die Malerin an sich selbst die Frage: Wer bin ich?

Die im englischen Exil geborene Tochter des Historikers und Schriftstellers Sebastian Haffner (1907-1999) wählte oft verschlossene, grüblerische Augenblicke, auch versonnene. Dann wieder schaut sie kritisch, skeptisch, spöttisch. Radikale Verknappung der nur scheinbar realen Motive war ihr Markenzeichen. Stimmungen, Erscheinungen, Gedanken ließ Haffner zu dichten, strengen, fast konstruktivistischen Metaphern gerinnen, in denen sie die Farben dunkel zu hell und warm zu kalt komponierte.

Und dann wäre da noch die Sarah Haffner außerhalb der Kunst. Sie engagierte sich in der deutschen Frauenbewegung, und sie filmte im Jahr 1968 die Dokumentation „Schreien nützt nichts. Über Brutalität in der Ehe“. Daraufhin finanzierte der Bund das republikweit erste Frauenhaus in Berlin.