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Rijksmuseum Amsterdam Mächtig, reich, einige sogar schön

Im Rijksmuseum Amsterdam trifft sich derzeit die „High Society“ – Anlass der Schau ist ein europäischer Coup.

Porträt von Oopjen Coppit,
Rembrandt van Rijn: Porträt von Oopjen Coppit, 1634. Foto: Musée du Louvre

Vorm Eingang ist ein rosafarbener Teppich ausgerollt. Fürs Publikum, zum Drauftreten. Aber vor allem die Frauen zögern, laufen lieber seitwärts zur Drehtür. Das Altrosa ist so zart, so empfindlich. Drinnen, im Lieblingsmuseum der Niederländer, sind sogar die Säulen im Foyer des Philips-Flügels mit rosa Licht angestrahlt. Und dieser galante Boudoire-Farbton, wie geborgt aus Zeiten des Ancien Régime und späterer Salon- und Schlafzimmer-Welten bildet dann auch den Untergrund an den Wänden hinter den Ganzkörperporträts von feinmalerischen Händen großer Alter Meister. 

Die Bilder-Gala mit Haute-Couture-Flair beginnt. Herausgeputzt sind alle, wodurch die Ausstellung einen Einblick in die Mode der Epochen bietet: Angereist aus Museen und Privatsammlungen in aller Welt ist die „High Society“ aus fünf Jahrhunderten – mächtige Fürsten, exzentrische Aristokraten, reiche Patrizier, Salonlöwen, echte Stars und ebenso rasch erloschene, aber ätherisch schöne Sternchen wie Giovanni Boldinis Bildnis der wie in rabenschwarzes Glas gekleideten Marchesa Luisa Casari von 1908 – die Paris Hilton der Belle Epoque. Wie korrekt-solide nimmt sich dagegen Edvard Munchs Bildnis des eleganten Großindustriellen und Politikers der Weimarerer Republik, Walther Rathenau, von 1907 aus. 

Die mächtigen, reichen und bisweilen auch schönen Eliten von einst bilden eine illustre Gesellschaft. Diese Hochzeits- und Ehepaare sowie Einzelporträts mit all den Hunden, Löwen und Attributen von Rang, Geld, Einfluss wurden im Auftrag gemalt von den berühmtesten Porträtisten ihrer Zeit: Rembrandt, Cranach, Velázquez, Veronese, Hals, van Dyck, Hoogstraten, Reynolds, Gainsborough, Manet ... 

Die einstigen Eliten verbanden mit ihren Porträts Status und Geld. Und sie waren sehr eitel, putzten sich heraus in der allerletzten Mode, in unglaublichen Uniformen und Fantasiekostümen vom antiken Gewand über den Kilt bis zur Robe der Femme Fatale. So arrogant wie intim posierte Doktor Pozzi 1881 für den US-amerikanischen Maler John Singer Sargent. Der berühmte Gynäkologe und Frauenschwarm zeigt sich im roten Bademantel. Man ahnt, warum seine berühmteste Geliebte, die Schauspielerin Sarah Bernhardt, ihn „Doktor Dieu“ nannte.

Der Haarlemer Bürgermeister Johan Colderman jun. ging 1613 gar so weit, nackt vor dem Maler Goltzius zu posieren – als Herkules mit Löwenfell und Keule, mit der er den am Boden verröchelnden Riesen und Räuber Cacus erschlagen hat. Ums Gemächt, mehr Provokation als Schamschutz, ein Tuch und im Gesicht des dreisten „Helden“ ein triumphierendes Grinsen. Und eines Lachanfalls kann man sich kaum erwehren angesichts des 1613 von William Larkin gemalten „Richard Sackville, 3. Earl of Dorset“, einer Leihgabe aus dem Londoner Kenwood House: Der Porträtierte ist ein offensichtlich schwächlicher, aber schwerreicher Stutzer. Er tritt hinter einem roten Vorhang hervor, auf einen Perserteppich. Seine Kleidung, mit gold- und silberdurchwirkten Pumphosen und Zierrat- Wams, die weißbestrumpften Beine mit schwarzen Schleifen umwunden, Blumen und riesige, garantiert unbequemen Silberpuscheln auf den bestickten Seidenschuhen. Der Mann gab wohl sein ganzes Geld für solche Auftritte aus und gleicht nun einem Paradepferd, ein Aufputz, zu dem allerdings das blasse Gesicht unter dem schütteren Haar nicht recht passen mag: Dekadenz statt Mannsbild.

Die Namen der Maler entfalten den Glanz ewigen Ruhmes. Anders ist es mit den Porträtierten. Nicht alle gingen für immer in die Geschichte ein wie Jakob Seiseneggers „Kaiser Karl V.“ von 1532, ausgeliehen vom Kunsthistorischen Museum Wien. Oder wie Sachsenherzog Heinrich der Fromme mit Gattin Katharina von Mecklenburg, gemalt von Cranach d. Ä. 1514. Das attraktive Paar reiste aus der Dresdner Gemäldegalerie an. Und nur Geschichtskundigen ist wohl der nordspanische Kriegsheld Don Pedro aus den Diensten Philipp IV. von Spanien ein Begriff. Velázquez, der Maler des imposanten Offiziers, aber umso mehr. Das gleichsam fotografische Ganzkörperporträt gehört dem Kimbell Art Museum Texas. Solche Ganzkörper-Porträts sind eher selten in der Kunstgeschichte, sie waren besonders teuer. Rembrandt verlangte für ein zwei Meter hohes Gemälde um die 1000 Gulden, heute entspricht das dem Kaufpreis einer Amsterdamer Villa.

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