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Portikus Vibrierende Wellen aus Licht

Thea Djordjadzes Himmels- und Elemente-Ausstellung im Frankfurter Portikus.

Licht
Und das Licht beginnt zu tanzen. Foto: Sandra Danicke

Der erste Eindruck ist ein wenig enttäuschend: Viel ausgestellt ist im Frankfurter Portikus derzeit ja nicht gerade. Links auf dem Fußboden liegt ein rotes L aus beschichteten Stahlplatten. Die rechte Wand ist mit silbernen Aluminiumblechen verkleidet, die in kaum erkennbarem Zickzack aufgestellt sind und immerhin einen seltsamen Titel haben „Why hold on to that?“ Warum daran festhalten? Ja, warum bloß, denkt man. Und läuft wie magisch angezogen auf das große Fenster in der Rückwand zu, das zunächst im tiefen Grün der Bäume leuchtet und – sobald man näher kommt – einen fantastischen Ausblick auf die Maininsel und den Dom bietet. War das sonst nicht viel kleiner? War es.

Thea Djordjadze, die hier derzeit die Ausstellung „o potio n.“ zeigt, hat zwei Flügeltüren entfernen lassen, durch deren kleinere Fenster man zuvor zwar hinausschauen konnte, doch nicht so fulminant. Stattdessen hat sie eine Glasscheibe eingesetzt und das Ganze „What do you know about Moon, Water, Air, Sunrise?“ genannt. Eine Aufforderung zur Bewusstwerdung, die man auch als Vorwurf verstehen könnte. Man wünscht sich direkt noch einmal nachts oder am frühen Morgen wiederzukommen, doch leider hat dann der Portikus geschlossen.

Egal. Auch am Tag – zumal bei Sonnenschein – ist das, was hier zu sehen ist, spektakulär. Sobald man bemerkt hat, wie die Aluminiumwand das Licht aus den Fenstern des Obergeschosses spiegelt, wie es sie als vibrierende Wellen wieder auf den Fußboden zurückwirft. Wie an der das Hallenrückwand verzerrte geometrische Formen aus Licht zu tanzen scheinen, und wie sich das rote L im Aluminium als feine Linie spiegelt, so dass man fast meint, durch ein Bild von El Lissitzky zu laufen, ist man fasziniert und irritiert zugleich. Wie kann es sein, dass man das beim Hineingehen gar nicht gesehen hat?

Die georgische Künstlerin (Jahrgang 1971), die in Berlin lebt und an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Rosemarie Trockel studiert hat, bezieht sich in ihren Arbeiten stets auf den konkreten Raum, nimmt ihn als Ausgangspunkt und Mitspieler. Während ihre Arbeiten, die sie bereits auf der Documenta 13 und bei der vorletzten Biennale in Venedig präsentiert hat, in ihrem Minimalismus oftmals ein wenig spröde wirkten, funktioniert die Installation im Portikus hervorragend. Mit feinen Gesten markiert Djordjadze die Wand, den Boden und holt die Umgebung nach innen. Indem sie Vorhandenes verstärkt und verdeutlicht, sensibilisiert die Künstlerin für das, was uns eigentlich ständig umgibt: Spannung, Schönheit, Poesie.

Portikus , Frankfurt: Bis 11. November. www.portikus.de

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