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Portikus Anstarr-Wettbewerb ohne Blinzeln

Einfache Reize, aufgeplusterte Erläuterungen: Georgia Sagri im Frankfurter Portikus.

Kunst
Unter Georgia Sagris Objekten. Foto: Helena Schlichting

Erst denkt man an ein Bewerbungsgespräch: In einem Büro wartet eine Frau. Eine zweite, schickere kommt zur Tür herein. Beide gehen aufeinander zu – und dann wird es seltsam. Mehrere, teils absurd erscheinende Begrüßungsrituale werden durchexerziert. Doch es kommt noch besser. „Documentary of Behavioural Currencies“ heißt die Filminstallation, die Georgia Sagri derzeit im Frankfurter Portikus zeigt. Irritierend daran ist unter anderem, dass der Monitor in einem zusammengeschusterten Unterstand steht und dass direkt dahinter ein identischer Unterstand steht, in dem derselbe Film minimal zeitverzögert läuft.

Die griechische Künstlerin, die 1979 in Athen geboren wurde, arbeitet häufig mit Verdoppelungen, was einen eigenwilligen Reiz hat. „Indem Sagri das Singuläre ablehnt, richtet sie sich auch gegen Hierarchien zwischen dem Objekt und seinen räumlichen Bestimmungen“, steht in einem ausgelegten Faltblatt. Was immer das heißen soll. Vielleicht, dass man sich die Installation auch irgendwo anders vorstellen darf. Im Film jedenfalls, der ohne gesprochene Sprache auskommt, geht es weiter mit den Ritualen: Die beiden Frauen setzen sich an einen Bürotisch – es handelt sich um den mit Flipchart, Wasserfläschchen und Obstschale ausgestatteten Konferenzraum einer Schweizer Bank – sie zermatschen jede eine Kiwi in der Faust, schlagen die Beine übereinander, machen einen Anstarr-Wettbewerb (ohne Blinzeln), schneiden mit Messern in Buchrücken und dergleichen mehr, wobei eine die andere nachahmt. Das lässt sich als Persiflage auf vergleichbare Situationen des Berufslebens deuten, wo es ja häufiger vorkommt, dass der Unterlegene den Dominanten spiegelt und die Körpersprache wichtiger ist als das, was tatsächlich gesagt wird.

Während man das Video schaut, sitzt man auf einem Betonklotz, einer Treppe, die auf der Seite liegt, Stufen, die laut Text „den beunruhigenden Zwischenraum von etwas, das nicht wirklich privat und nicht wirklich öffentlich ist“ repräsentieren. Und weil das nicht wirklich hilfreich ist, liest man weiter: Die Skulptur „inszeniert den Beginn einer fiktiven, aber niemals wirklich existierenden Firma und die Zusammenführung von zwei vergangenen ökonomischen Krisen, 1930 und 1970, genauso wie jene, die 2008 begann als die Arbeit entstanden ist“.

Ungläubig schaut man jetzt auf die Treppenstufen. Soll man laut losprusten? Oder gestehen, dass man dem Ding eine solch komplexe Bedeutung gar nicht zugetraut hätte? Dann legt man das Faltblatt weg, schaut abermals auf die Stufen und sieht, was da ist: Ein Gegenstand, dessen Funktion verändert wurde.

„Georgia Sagri and I“ heißt die Ausstellung, die Skulpturen, Filmarbeiten und Performances aus den vergangenen zehn Jahren versammelt, darunter amorphe grüne Metallelemente mit dem Titel „Dynamis/Soma in orgasm as sex“, die wirken wie bühnenbildartige Landschaftssymbole und den Objekten ähneln, die Sagri bei der letzten Documenta in Kassel gezeigt hat.

Auch eine gefüllte Transportkiste für Flachware ist zu sehen, aus der sich Studierende der Städelschule bedienen dürfen. Sie können die Arbeiten vorübergehend ausleihen und bei sich oder auch an öffentlichen Orten ausstellen. Dort entfalten sie womöglich ihre eigene Aura. Zumindest so lange man den Betrachter mit aufgeplusterten „Erklärungen“ verschont.

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