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Ostasiatische Kunst Das Panorama des Vergnügens

„Das gedruckte Bild“ – Kölns Museum für Ostasiatische Kunst kann endlich seinen reichen Bestand an Farbholzschnitten zeigen.

Seebrasse
Kuwagata Keisai: Eine rote Seebrasse. Foto: Museum für Ostasiatische Kunst Köln/ Foto RBA

Ein Schatz wird gehoben: Seit über hundert Jahren ist das Museum für Ostasiatische Kunst, eine der glänzendsten Perlen im Kreis der Kölner Museen, im Besitz einer umfangreichen Sammlung von Farbholzschnitten aus dem Japan des 18. und 19. Jahrhunderts. Sie wurden schon früh von den Museumsgründern Adolf und Frieda Fischer gesammelt, nämlich zu einer Zeit, als diese mal deftigen und mal feinen, mal witzigen und mal melancholischen Werke auf dem Kunstmarkt noch relativ erschwinglich waren. Allerdings wurde der Kölner Bestand nie geordnet. Zunächst einmal wurde nach Kräften gesammelt, dann kamen zwei Weltkriege dazwischen, schließlich wurden sogar einige Blätter gegen Fachliteratur eingetauscht, und danach, bis in die jüngste Zeit hinein, verhinderte die latente Finanz- und Personalnot des Hauses eine komplexe Aufarbeitung.

Allerdings hat sich Museumsleiterin Adele Schlombs von den vielen Engpässen nie abschrecken lassen. Auch in diesem Falle nicht. So hat sie sich des Expertenwissens von Matthi Forrer versichert. Der war, als er sich vor fünf Jahren gemeinsam mit der Direktorin an die Sichtung des Bestands machte, erst einmal irritiert: „Ich war erstaunt, eine so große Sammlung in einer so großen Unordnung anzutreffen.“

An die 2 000 Motive sind untersucht und viele davon in einer Bilddatenbank gesichert worden. 360 Werke sind nun in der Ausstellung „Das gedruckte Bild – Die Blüte der japanischen Holzschnittkultur“ zu sehen. Rund 40 Prozent der Bilder, meint Forrer, seien äußerst selten und an kaum einem anderen Ort als in Köln zu finden. Zu diesen zählt er auch ein fantastisches Porträt des Schauspielers Ichikawa Danjuro VII., das Sakuragawa Jihinari (1760–1833) für einen Fächer geschaffen hat. Nach Forrers Einschätzung ist es das einzige verbliebene Exemplar weltweit. 

Das will was heißen. Denn gemeinhin waren die Farbholzschnitte äußerst populär. Die Auflagen gingen zuweilen deutlich über 10 000 Exemplare hinaus. Nicht zuletzt bei Darstellungen von Schauspielern des traditionellen Kabuki-Theaters gab es immer wieder hohe Auflagen – mit jeder neuen Rolle, die einer von ihnen übernahm, kam ein neues Porträt in Umlauf. Eine Sache für Fans. Allemal ging es den Künstlern um die Darstellung des Ukiyo, um „Bilder der fließenden Welt“ in Edo, dem heutigen Tokio. Dazu gehörten auch die Porträts schöner Frauen, von Geishas und Kurtisanen, beim Auflegen von weißer Schminke oder beim Herrichten der Frisur, zwischen Teestunde und Kirschbaumblüte. Auch Dichter und Dämonen fanden Zuspruch. Überdies wurde dem Voyeurismus viel pikantes Bildmaterial geboten – und diese Neigung wurde dann auch selbst thematisiert, wenn etwa eine alte Frau ein Liebespaar beobachtet. Gerne gewährt wurde zudem der Blick ins Bordell. Und schließlich sind farbsatte Naturlandschaften zu sehen, die so verlockend gestaltet sind, dass man gleich dorthin aufbrechen möchte.

Der Bildersturm jener vergnügungssüchtigen Jahre ist verblüffend. Er erinnert durchaus an unsere Gegenwart, in der zumal an Fotos kein Mangel herrscht. Bestimmend für die japanische Kunst-Variante der Edo-Zeit ist, dass ihr die Zentralperspektive fehlt. Um die Dimensionen im Raum zu verdeutlichen, sagt Forrer, belasse man es dabei, das Ferne ins obere Bilddrittel und das Nahe ins untere Bilddrittel zu verlegen. Auch werden die Motive oft angeschnitten. Und die Farben sind sehr häufig von der ganz intensiven Art.

Die meisten Namen der Künstler, die jeweils eng mit Verlegern, Schnitzern und Druckern zusammenarbeiten mussten, sind uns wenig vertraut. Ausnahmen sind da allenfalls Utagawa Hiroshige (1797-1858) mit seinen blautrunkenen Flussszenen und selbstverständlich Katsushika Hokusai (1760-1849). Dessen gefährlich sich brechende Welle, mit dem Fuji im Hintergrund und drei schmalen Booten in arger Not, ist vielleicht dasjenige japanische Kunstwerk, das im Westen am bekanntesten ist. Ein Farbholzschnitt von 1830, vielfach kopiert und zitiert. In der öffentlichen Wahrnehmung ist er ein „Star“ unter Seinesgleichen. Aber dann eben doch nur eine Attraktion unter mehreren, wie in der Schau zu erkennen ist.

Dem Besucher wird im Museum für Ostasiatische Kunst eine erhebliche Kondition abverlangt. Denn mit einem flüchtigen Blick auf die Bilder ist es oft nicht getan. Immerzu sind es kleine Geschichten, in manchen Fällen dem Comic sehr nahe, die hier erzählt werden und die Fantasie des Betrachters herausfordern. Ein plakatives Panorama der fließenden Welt, das hier zu einem großen bunten Vergnügen wird.

Museum für Ostasiatische Kunst, Köln: bis 1. Juli. Der Katalog erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König in englischer Sprache: „The printed image“ (400 Seiten, 39,80 Euro). www.museum-fuer-ostasiatische-kunst.de

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