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Oldtimer Die Schönen und die Biester

Was heißt schon Oldtimer? In Düsseldorfs Kunstpalast werden Design-Ikonen der Sportwagengeschichte der 50er bis 70er Jahre wie kaum gealtert präsentiert.

Ferrari
Ein Ass im Autoquartett: Ferrari 250 GT California Spyder, 1960. Foto: Oliver Sold

Kinder, Kinder. Kinder! Hatten es regelmäßig in der Hand. Ist sicherlich schon länger her, aber damals wurden die Karten immer wieder neu gemischt. Der Maserati oder der E-Type?

So fängt wohl die eine oder andere Feuilletongeschichte über das Automobil an, erst recht über schnelle und rasante Sportwagen - aus purer Verlegenheit beginnt sie so, das ist nicht auszuschließen. Aber nun denn, nicht einfach war die Wahl vor fünfzig Jahren. Lieber der 250 GT Berlinetta oder doch eher der DB 5, das Fahrzeug von Bond? Ging es um die Zylinderzahl, waren die 12 unter der Haube des Ferrari, in V-Form verbaut, oder des Aston Martin unschlagbar. Kinder zeigten sich allesamt als Kenner.

Als Kenner des Hubraums, der Höchstgeschwindigkeit, als Kenner der Kinderkrankheiten eines jeden Sportwagens. Denn wollte man etwa mit einem Maserati von irgendwo in Deutschland zurück ins Maseratiland, über die Alpen, brauchte es stets zwei Exemplare, der notorischen Unzuverlässigkeit eines Maserati wegen. So zückten wir Autoquartettkenner ein jedes Mal das Blatt, und schauten auf den kanariengelben Maserati wie die Fachmänner.

Jetzt steht der ehemalige Kartenspieler vor einem Maserati, einem tiefblauen Allemano, Bj. 1963, in Düsseldorfs Kunstpalast. Bj. steht für Baujahr, Vmax 270 km/h für die Höchstgeschwindigkeit, und Düsseldorfs Kunstpalast für eine besondere Museumsadresse in Deutschland. Hier haben sie dem 5000 GT (dem Allemano) neben weiteren Sportwagen eine Bühne errichtet, 29 Podeste unter dem Titel „PS: Ich liebe dich“. Ein pfiffiger Titel, mindestens doppeldeutig, zudem spielt ein pssst… hinein, ein Geraune. Die Aussicht auf eine Fama.

Zur automobilen Mythenbildung gehört, dass der italienische Futurismus das Motto ausgab, die „Nike von Samothrake“, die berühmte Skulptur, die antike Ikone sei eine Nichtigkeit gemessen an einem modernen Sportwagen. Der Satz des Filippo Tommaso Marinetti war 1909 der Auftakt, um fortan über Automobile wie über Kunstwerke zu sprechen. Dass Automobile, zumal die Ikonen unter ihnen, sagenhafte Namen bekamen, war nur eine Frage der Zeit.

In Düsseldorf kann man sich also auf eine Tradition berufen – wobei die tollkühnsten Gefährte im Grunde die schlichtesten Bezeichnungen trugen, 300 SL, 911, 166 MM – oder in den letzten Jahren solche Asse der Kompaktklasse wie der R 32 oder M 135i.

Das Kind im Kenner nennt die sagenhaften Namen in dem Wissen, dass zur Sportwagengeschichte, nein, nicht der gewiss weit verbreitete „Manta“ gehörte, aber der „Miura“, der Lamborghini-Miura, oder der „Daytona“, der Ferrari-Daytona, oder die „Cobra“, die AC Shelby Cobra. Sie bedeutete schlechthin den Ritt auf der Rasierklinge, wie glaubhaft versichert wird von Teilnehmern (auf der Rasierklinge).

Hört man in den beiden Ausstellungsräumen genauer hin, geht es auch darum, um ein Labyrinth aus Leistungsdaten (in dem sich nur der Kenner ein- und auskennt, traumhaft wie ein Kind). Sieht man genauer hin, geht es um noch etwas anderes, um eine Formensprache, die Dynamik versprach, und sich dabei zunächst organisch zeigte, später schier funktional. Zunächst abgerundet, dann abgeschliffen. Aggressiv immer, ob mit weiblichen oder maskulinen Formen.

Am Anfang der Entwicklung steht 1948 der Cisitalia 202 SC Berlinetta, gezeichnet von Battista Pini Farina. Er wird wie nicht allzu viele Formgestalter automobile Designgeschichte schreiben. Der Radkasten weit vorne, ein kurzer Überhang der Karosserie, ein lang auslaufendes Fließheck zwischen breit ausladenden Kotflügeln. Der Kühlergrill breit, breit wie ein Breitmaulfrosch.

Der wuchtige Kühler, dominiert von einem Stern, einem Dreizack, einem feurigen Pferd oder einem anderen unverwechselbaren Emblem wird zum Kennzeichen der Ausnahmefahrzeuge der 50er Jahre, des Ferrrari Barchetta, des Mercedes 300 SL, des Lancia Aurelia, des BMW 507 – allein Porsche lässt bereits gegen den Trend den kühlerlosen 356 produzieren. Auch die Front des 911 ist eine bis auf die Stoßstange (ein Begriff aus alten Zeiten) abgeflachte Haube, gezeichnet für die seit 1964 charakteristische Silhouette eines Automobils, zu dessen Extravaganzen ein Heckmotor gehört. Dass dieser auch verständnisvoll eingekleidet wurde, kann man gut daran erkennen, dass das Porscheheck nach dem Prinzip des Goldenen Schnitts gestaltet wurde.

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