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Museum Moritzburg Der ungemein zurückgelehnte Zauberer

Das Museum Moritzburg in Halle präsentiert einen exquisiten Einblick in den Kosmos des Malers und Zeichners Gustav Klimt, dessen Frauenbild und das Wien des Fin de Siècle.

Gustav Klimt
Gustav Klimt: Bildnis Marie Henneberg, 1901/02. Foto: punctum/Bertram Kober

Das Blattgold, das er auftrug, machte sein Publikum schwindelig, sein zittrig geführter Strich hitzig. Es war ein Zeitalter auch der Nervosität, in das Gustav Klimt hineinwirkte, ob mit seinen unverschämt kostbar bekleideten Frauenporträts oder seinen ungezwungen nackten Frauendarstelllungen – unübersehbar jetzt in der Moritzburg von Halle, wo es heißt:

„Gustav Klimt. Schon die alleinige Erwähnung des 1862 geborenen Künstlers weckt Assoziationen: Wien. Jugendstil. Gold. Beethoven. Der Kuss. Judith. Frauen, Skandale. Und, ja, leider auch Antisemitismus. Restitution.“ So beginnt der Klimt-Experte Alfred Weidinger seinen Katalogbeitrag, um fortzufahren: „Um all das zu wissen, bedarf es keiner ausgeprägten Kunstkenntnisse.“ Nun, vielleicht doch der Vermittlung durch eine Ausstellung wie in der Moritzburg, die die Dinge vertieft.

Dazu sind jetzt exquisite Klimts zusammengetragen worden. Angesichts der Unsummen, die heute eines dieser (seiner) Werke kostet, wird in Halle eine Sensation geboten, zumal in Deutschlands Museen nur vier Bilder des Künstlers anzutreffen sind. Gemälde von ihm werden, ihrer Hochempfindlichkeit wegen, so gut wie nicht ausgeliehen. Geschieht dies dennoch, sind schwindelerregende Versicherungssummen aufzubringen. Kommt aber doch eine Klimt-Ausstellung zustande, steht der Besucher für einen „Shootingstar“ an (wie ihn Klimtforscher nennen). Dann steht der Klimtenthusiast vor einem Großmeister des Wiener Jugendstils (wie Moderneforscher Klimts Malerradius relativieren). Vor allem aber steht die Besucher für eine Blockbuster-Ausstellung an – denn sonst stünden die Interessierten in Halle nicht an vielen Tagen Schlange vor dem Museum Moritzburg.

Zehn Bilder hat der Kustos Wolfgang Büche zusammentragen können, ferner 63 Zeichnungen, dazu sieben Fotografien, sechs Linolschnitte und ein Gemälde Hugo Hennebergs, des Ehemanns der Marie Henneberg. Denn es geht nicht allein um ihn, Klimt, sondern um zwei Künstler der Wiener Moderne.

Weil es aber hier, in der Moritzburg, einem Zentrum der Moderne in Ostdeutschland, ganz bestimmt um Klimt geht, werden die Besucher chronologisch eingeführt in die Anfänge, beginnend mit einer Studie, dem „Gelegten und geflochtenen Band“. Der „Kopf eines bärtigen Mannes im Dreiviertelprofil“, ebenfalls 1879 festgehalten, ist von stupender Sicherheit. Die Hand des 17-jährigen kündigt einen Hochbegabten an. Dessen Studie der Rose von Rosthorn-Friedmann, um 1900 entstanden, gefiel sich als virtuose Modezeichnerei. Der 38-Jährige, der wusste, dass er ein Star war, konnte zurückblicken auf seine „Kinderstudie Franzl“. Fulminate Linienführung eines 21-Jährigen, begnadete Reduktion, geschult an den Großmeistern der Renaissance.

Als Sohn eines Graveurs hatte Klimt von Beginn an zudem den Blick für Materialien, vor allem deren Wirkung, insbesondere für die Effekte von Gold. Klimt hatte den Ruf eines Dekorationsmalers. In Wien waren wegen des Immobilienbooms Unmengen von Geld im Umlauf, die Gewölbe des Burgtheaters und das Treppenhaus des Kunstmuseums wurden zum Betätigungsfeld der von ihm gegründeten Künstler-Kompagnie. Wien schaute auf, sah auf zu den Allegorien eines Jahrhunderttalents, auf zu den Zwickeln und Interkolumnienbildern, auf zu Öl auf Marmorputz – nicht nur deswegen leuchten der antike Thespiskarren oder das elisabethanische Globe-Theater. Selbst seine grazilsten Allegorien schultern seit über 100 Jahren einen symbolischen Ballast – ganz anders als seine Zeichnung der Julia. Eine fragile Linienführung, eine ätherische Komposition bis in die Haarspitzen.

Klimts Karriere verlief nicht nur als eine steile Kurve nach oben, er durchlebte von 1892 an Depressionen, er stand erbitterte Diskussionen wegen des Eklats um die Fakultätsbilder an der Wiener Universität durch, weil er anstelle von idealisierten Allegorien die Essenz von menschlichen Körpern zeigte. Seine Beschäftigung mit dem belgischen Symbolismus, mit den Nachwirkungen des Impressionismus, das sind in der Moritzburg nicht ausdrücklich dokumentierte Etappen, das spricht aus seinem „Bleichen Gesicht“ oder seinen Landschaftsbildern.

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