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Museum der Bildenden Künste Leipzig Die Heimat ist abgebrannt

Leipzigs Kunstmuseum setzt Denkzeichen mit Ayse Erkmen und Mona Hatoum.

Mona Hatoum, „Remains of the Day (s version)“, 2016.
Mona Hatoum, „Remains of the Day (s version)“, 2016. Foto: dotgain.info

Sarkastischer, grimmiger Humor, intellektueller Hintersinn, zugespitzte Metaphorik und das Spiel mit verschobenen Bedeutungen durchziehen das Untergeschoss von Leipzigs Museum der Bildenden Künste. Die Kunst beider Frauen, der in Istanbul und Berlin lebenden Türkin Ayse Erkmen und der in London und Berlin arbeitenden Exil-Palästinenserin Mona Hatoum, ging schon um die Welt, forderte heraus, packte, zwang als Existenzzeichen weitab agitatorischer Protestkultur zum Nachdenken und Reflektieren über Humanismus, Krieg, Gewalt, Vertreibung, Flucht. Übers Weggehen und doch nicht Ankommen.

Nun ist diese überaus sinnliche Konzeptkunst nach Leipzig gelangt, direkt an den ehemaligen Sachsenplatz, da wo 1989 die legendären mutigen „Wir sind das Volk“-Rufe ertönten, wo aber unweit davon absurderweise seit einiger Zeit durch Megaphone schrill gegen „Überfremdung“, „Kulturvermischung“ und gegen das Europäische Haus gewettert wird.

Museumsdirektor Alfred Weidinger und Kurator Frédéric Bußmann fanden es an der Zeit, darauf mit – weiblichen – Zeitzeichen zu reagieren. „Displacements/Entortungen“ so der Dialog. Beide Künstlerinnen haben so ihre Erfahrungen mit Vertreibung, Verschiebung, Entortung. Ihre Objekte und Installationen wirken verletzlich, fragend, orientierungslos, konfrontieren uns mit einer von Konflikten, Widersprüchen durchzogenen Welt. Sie drücken Sehnsucht und Ästhetik aus, nutzen die Mittel sparsam, fast minimalistisch. So werden folgenreiche, fatale politische Zusammenhänge mit simplen Material aufgezeigt.

Ein paar Tretminen liegen auf dem Boden des Saals

Fast stockt einem der Atem vor Mona Hatoums zu farbigen Christbaumkugeln mundgeblasenen Handgranaten. Die liegen in einem silbrigen Schränkchen. Ebenso vor „Remains of the Day“: Tisch, Stühle, Kinderstühlchen aus Drahtgeflecht, Holz, völlig verkohlt. Kein Trost, kein Heil. Die Heimat ist abgebrannt. Weiter hinten stehen Metallbetten, Flüchtlingsbetten fünfetagig. Jeweils 50 Zentimeter Höhe bleiben jedem Körper. Einem deutschen Schäferhund stehen 10 Quadratmeter zu.

Ayse Erkman wiederum zelebriert in Glasvitrinen von türkischen Kunsthandwerkern aus Keramik gebrannte, edel grün lasierte Formen. Zuerst glaubt man, die „Preziosen“ seien eine Hommage ans alte Maschinenbaugewerbe. Dann aber, welch gallig schwarzer Humor, entlarven sich die Gebilde als Tellerminen, Handgranaten, Mörsergranaten. Schein und Sein.

Das ganze Tötungsarsenal des Bürger- und Bruderkrieges im Nahen und im Mittleren Osten ist in dieser Ausstellung ausgebreitet. Ein paar bronzene, grünpatinierte Tretminen hat sie auf den Boden des Museumssaales gelegt. Bloß nicht drauftreten. Und auf Monitoren an den Saalwänden läuft digital Waffenwerbung. Alles in Grün – eigentlich doch die Farbe der Hoffnung.

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