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MMK Die früh Vollendete

Susanne Gaensheimer hat im MMK erreicht, was sie angestrebt hatte.

Gaensheimer
Susanne Gaensheimer mit FR-Autor Claus-Jürgen Göpfert im Jahr 2011. Foto: Andreas Arnold

Sie packt ihre Umzugskisten, so wie es im Sommer 2016 schon Max Hollein tat. Dass Susanne Gaensheimer, die Direktorin des Museums für Moderne Kunst (MMK), Frankfurt verlassen möchte, ist eine ähnliche Zäsur für die Kunststadt wie der Wechsel des Direktors von Städel, Liebieghaus und Kunsthalle Schirn nach San Francisco. Und doch ist der Abschied in beiden Fällen nur konsequent. Wie Hollein hat auch Gaensheimer für ihre Häuser das erreicht, was sie angestrebt hatte. Und beiden gelang das, bevor sie ihren 50. Geburtstag feiern.

Die in München geborene Kunsthistorikerin ist nie eine Frau der lauten Töne gewesen. Sie besitzt stattdessen ein feines Understatement, eine stille Selbstironie, vor allem aber große Beharrlichkeit. Mit diesen Eigenschaften hat die Kuratorin viel erreicht. Es gelang ihr nach ihrem Amtsantritt im Januar 2009 nicht nur, das MMK neu aufzustellen. Sie kuratierte den deutschen Pavillon der Biennale 2011 in Venedig, den ursprünglich Christoph Schlingensief hatte gestalten wollen, gemeinsam mit dessen Witwe. Die denkbar größte Würdigung war der „Goldene Löwe“ der Biennale, gleichsam der Ritterschlag in der internationalen Kunstszene. 2013 wurde sie noch einmal als Kuratorin des deutschen Biennale-Beitrags berufen.

Zu diesem Zeitpunkt war Gaensheimer bereits weit über Frankfurt hinaus eine Person mit Einfluss. Schon als sie in die Stadt kam, machte sie im Interview mit der FR unmissverständlich klar, was ihre Ziele waren. Das Museum für Moderne Kunst sollte wachsen, inhaltlich wie räumlich. Beides ist der Kunsthistorikerin vorbildlich gelungen.

Heute verfügt das Haus mit dem MMK 2 im Hochhaus Tau-nusturm und dem MMK 3 im ehemaligen Hauptzollamt am Dom über zwei Dependancen. Das MMK 3, unterstützt von der Jürgen Ponto-Stiftung, die alljährlich Stipendien vergibt, ist seit 2008 der Ort vor allem für junge Künstlerinnen und Künstler. Die Filiale im Taunusturm, seit 2014 bespielt, zeigt Ausstellungen aus den großen Beständen des Museums.

Und das ist das nächste große Verdienst der Direktorin. Sie hat die Sammlung des Hauses, die heute mehr als 5000 Objekte umfasst, konsequent erweitert – vor allem um nicht westliche Positionen aus dem asiatischen und afrikanischen Raum und vom indischen Subkontinent. Immer mehr Ausstellungen präsentieren Kunstschaffende aus diesen Ländern. Was Gaensheimer und ihr Team da geleistet haben, lässt sich derzeit im Stammhaus noch immer an der großen Jubiläumsausstellung 25 Jahre MMK wunderbar ablesen. Ausgehend von der Gründungssammlung mit Werken der Pop-Art und des Minimalismus von Warhol bis Liechtenstein und von deutschen Künstlern wie Joseph Beuys und Gerhard Richter wurden neue Bereiche integriert. Die Zahl der fotografischen Arbeiten wuchs, ebenso hat das Museum auch Grenzbereiche zum Ballett oder zur Mode erkundet, etwa mit Werken des Choreographen William Forsythe oder des Designers Kostas Murkudis.

Viel ist in den zurückliegenden Jahren geschrieben worden über die angebliche Rivalität zwischen MMK und Städel-Museum bzw. Schirn, zwischen den beiden kuratorischen Schwergewichten Gaensheimer und Hollein. Die MMK-Direktorin hat stets gelassen, klug und abgeklärt reagiert. Sie hat sich nie öffentlich in eine Konkurrenz-Position drängen lassen zum Städel und sich stets lobend über die Arbeit Holleins geäußert.

Wenn Susanne Gaensheimer jetzt tatsächlich die künstlerische Leitung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf übernimmt – heute beschließen dort die Gremien – dann kann sie das mit großem Selbstbewusstsein tun. Ihr Domizil in Frankfurt hat sie gut bestellt. Sie gewann auch private Sponsoren, die dem MMK eine Perspektive sichern. Mit 49 Jahren ist sie in Frankfurt eine früh Vollendete. Ihr Weggang ist ein großer Verlust für die Stadt, für ihr neues Haus ein großer Gewinn.

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