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Kunstverein Frankfurt „Festival der jungen Talente“ in Frankfurt

Wilde, muntere Räume sind im Frankfurter Kunstverein zu sehen. Beim „Festival der jungen Talente“ stellen Studierende ihre Arbeiten aus.

Kunstverein Frankfurt
Hinein in die ?Compost Cloud? mit dem Mäuschen? Foto: FKV

Ein wenig erinnert das an die zu Schulzeiten unterschiedlich beliebte Gruppenarbeit: Studierende von mindestens zwei der inzwischen sieben beteiligten Hochschulen mussten sich zusammenfinden, um sich bewerben zu können für das „Festival der jungen Talente“, zum zweiten Mal im Frankfurter Kunstverein stattfindend. So dass Heiner Blum, Professor an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG), aber auch zugeben musste, dass die Ausstellung nicht repräsentativ ist für das, was an Kunsthochschulen derzeit und natürlich meist in Einzelarbeit entsteht: Denn unter den 26 ausgewählten Projekten sind 19 Installationen und sieben Performances, sogar Lesungen gibt es. Aber keine Malerei und (fast) keine Skulpturen.

Wilde, muntere Räume sind entstanden, alle Ecken belegt, das große Thema darin auch die Schnittstellen zwischen Mensch und Technik, Realität und Virtualität.

In „La Tétralogie d’Eau Thermale II“, im Mittelpunkt der Arbeit von Luis Krawen und Lucia Bushart steht ein Animationsfilm, treffen die Nibelungengeschichte und typische Muskelhelden auf Gegenstände wie ein kosmetisches Produkt. Auch um prekäre Arbeitsverhältnisse geht es. Schräg gegenüber im Kunstvereins-Saal ein begehbares Gitter, beleuchtet wie ein ominöser Kellerschacht, darunter Kompost. „Compost Cloud“ (Yana Tsegay, Wagehe Raufi, Martin Dörr, Alice Gustson) möchte das Nachdenken über einen Wertstoff fördern, aber auch über imaginative Ressourcen. Wer mag, kann sich zum Thema, zur Kunst eine App laden und/oder in bereitgestellten Papiertüten etwas Kompost mit nach Hause nehmen.

Das vielleicht doch erst, nachdem man bei „Die Einzelnen“ (Julia Lara Gerke, Julia Carolin Kothe, Joëlle Pidoux, Maíra Wiener) durchgegangen ist, einer Installation mit Luftbefeuchter und großer Haube, unter die man den Kopf stecken kann und hört, „aus Sicherheitsgründen“ brauche man nun eine Ausweis-Kopie. Oder nachdem man einen Pulsschlagsensor benutzt hat, um eine autonome Performance zu kreieren. Oder sich schauend in einem blinkenden Bad verlaufen, in dem sich alles in allem zu spiegeln scheint.

Und auf keinen Fall würde man eine Tüte Kompost mitnehmen wollen zu den Führungen zur „Via Brigitta“, denn da hat man schon eine Leiter zu tragen. Die gerade noch nicht eröffnete Altstadt – am 9. Mai sollen die Bauzäune fallen – kann hier unter der Führung von Johann Karl, Simon Zeller, Lisa Voigt und Kathrin Baumgartner übern Zaun hinweg besichtigt werden. Anmeldung notwendig.

An der Schnittstelle zwischen Ausbildung und Beruf möchte das „Festival der jungen Talente“ stehen, im Jahr 2000 startete es als Offenbacher Veranstaltung. Mittlerweile ist sogar die Kunsthochschule Mainz dazugestoßen, zur HfG, der Frankfurter Musikhochschule und Städelschule, dem Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen, der Hessischen Theaterakademie und den Studiengängen Dramaturgie und Curatorial Studies an der Goethe-Universität. Die Studierenden sollen mit dem richtigen (Ausstellungs-)Leben konfrontiert werden, vermutlich geht es auch darum, dass sie realitätsnahe Reaktionen der Besucherinnen und Besucher erhalten.

Die Werke mögen nicht repräsentativ sein, aber die häufige Auseinandersetzung mit Virtualitäten und Algorithmen, mit Körperbildern (etwa von Frauenfiguren in japanischen Mangas) und der Fragmentierung von Körpern im digitalen Raum zeigt, dass die Studierenden sich allemal um aktuelle Fragestellungen bemühen. Oft denken sie dabei verblüffend um die Ecke oder gleich um mehrere Ecken – aber genau das macht den Reiz dieser vielfältigen Schau aus. Sie läuft bis einschließlich Sonntag und wenn man etwas mitbringen sollte, dann Muße. Es gibt einiges zu tun.

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