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Kunsthalle Mannheim Wie man sich bettet, so liegt man

Die Mannheimer Kunsthalle hat einen neuen Anbau und zeigt zur Eröffnung Foto-Lichtkästen von Jeff Wall.

Kunshalle Mannheim
Ein gerasterter Baukörper auf dem strengen Barockraster Mannheims: Das Büro Gerkan, Marg und Partner entwarf den Neubau der Kunsthalle. Foto: GKD Kufferrath, Düren

Der erste Eindruck: Diese Stadt leistet sich was. Derart enorm ist schon die Außenwirkung des zur Gänze von einer bronzefarbenen Gitterstruktur überzogenen Gebäudes, dass man, aus der Tiefgarage direkt gegenüber auftauchend, denken kann, man sei nicht in der deutschen Provinz, sondern, sagen wir: in Singapur. Mehr an großer Gebärde geht nicht. Mannheim, wer hätte das erwartet?, setzt damit auf die Wirkungskräfte der Kunst als ein wesentliches Element der demokratischen städtischen Gesellschaft. Mit dem neuen Mannheimer Museumsbau im Herzen der Stadt, in unmittelbarer Nähe des zentralen Wasserturms, ist ein    nachdrücklicher Geltungsanspruch der Gegenwelt künstlerischer Reaktionen auf die Realität formuliert, ein Anspruch zumal der Kunst unserer Gegenwart, von dem nicht sicher ist, wie berechtigt er tatsächlich noch ist.

Genau genommen handelt es sich um eine Erweiterung der 1907 gegründeten, im Jugendstil verfassten Mannheimer Kunsthalle. Jedoch trumpft der Bau der Architekten Gerkan, Marg und Partner (gmp), durch seine Dimensionen so mächtig auf, dass das alte Haus, dessen Ausstellungsfläche auf fast 6000 Quadratmetern mehr als verdoppelt wird, fast spurlos dahinter verschwindet. In dezenter Analogie zu dem im Barock quadratisch angelegten Stadtplan Mannheims ist der Neubau gefügt aus zehn rechteckigen Würfeln, die, auf drei Ebenen angeordnet, von einem 22 Meter hohen, glasgedeckten Tageslicht-Atrium aus zugänglich sind. Von hier ist auch der Altbau, nun ein Winzling, noch erreichbar, in dem jetzt vor allem die Periode nationalsozialistischer Eingriffe in die Bestände des Museums dokumentiert wird.

Glücksfall Heinz Fuchs

Bis 1933 verlief die Geschichte der Kunsthalle in guten Bahnen. Schon der erste Direktor Fritz Wichert – ihm gelang 1910 der Coup des Erwerbs von Manets „Erschießung Maximilians“, zuvor war er Assistent des Städel-Direktors Swarzensky in Frankfurt – und während der zwanziger Jahre Wicherts Nachfolger G. F. Hartlaub haben die Sammlung über die Aufmerksamkeit für die künstlerischen Tendenzen in Deutschland hinaus vor allem der französischen Moderne gewidmet. Das hat Mannheim früh zu besonderer Bedeutung verholfen. Für ein Vierteljahrhundert, von 1959 bis 1984, übernahm dann Heinz Fuchs die Direktion.

Für die westdeutsche Museumsszene war Fuchs ein Glücksfall. Er war, was er selbst einmal an Hartlaub gerühmt hatte, „gegenwartsmutig“, es gelang ihm mit Rückkäufen von durch die Nazis der Sammlung entzogenen Werken, einer langen Reihe von Neu-Erwerbungen aktueller Kunst und vielen Einzel- und anthologischen Ausstellungen das Mannheimer Institut zu einem Hauptort der Anknüpfung an die Entwicklungen vor 1933 zu machen. Auf Fuchs geht auch die erstaunliche Sammlung von Skulpturen zurück, Werke des Konstruktivismus und andererseits Figuren im Übergang zur Abstraktion der Engländerin Germaine Richier bezeichnen die Spannweite.

Dass etwa die portugiesische Malerin Maria Elena Viera da Silva, draußen längst hoch geachtet, auch in Deutschland bekannt werden konnte, ist nur ein Beispiel von unzähligen, die Qualitätssinn und Instinkt von Fuchs bezeugen. In den Ateliers der jungen Künstlergeneration im eigenen Land war er mit sicherem Blick unermüdlich unterwegs. So kamen, nun abgedrängt in die Nähe des instruktiv der Geschichte der Kunsthalle gewidmeten Bereichs im Altbau, erstrangige frühe Arbeiten von Emil Schumacher, Geiger, Trökes, Dahmen, K. O. Götz, Bernard Schultze, Otto Greis, Raimund Girke, Brüning, Hoehme und dem heute zu Unrecht fast vergessenen Werner Schreib in die Sammlung. 

Bilder wirken wie seltsam fremde Gäste

Was Fuchs mitbrachte – man ist deswegen während vieler Jahre immer wieder in Mannheim gewesen, nicht nur des Wunders von Noldes „Fernen Mädchen“ wegen, wo sind sie geblieben?, sondern ebenso enthusiasmiert durch die Neuigkeiten aus dem „Atelier Gegenwart“, wie Fuchs das nannte. Die nachfolgenden Direktoren, Manfred Fath, später auch Rolf Lauter, haben von solchen Vorgaben profitieren können und beide sich erkennbar bemüht, ihnen zu entsprechen. In den späten achtziger Jahren widerfuhr der Kunsthalle das Missgeschick eines ersten Anbaus.

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