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Kunst Der rastlose Auktionator

Grisebach-Patron Bernd Schultz versteigert dieser Tage seine millionenschwere Kunst-Sammlung. Der Erlös soll die Basis für ein Berliner Exilmuseum werden.

Auf keinen Fall will er Mäzen genannt werden. Viel zu prätentiös. Was er mache, sagt Bernd Schultz, sollte eher mit Ermöglicher beschrieben werden. Als solcher ist er seit Monaten im Gespräch. Tue Gutes und rede darüber. Das ist Zeitgeist. Nur wird der Apostel Paulus auch gegenteilig zitiert, mit den Worten: „... und sprich nicht darüber“.

Wie auch immer. Der weithin bekannte, geschätzte, aber wegen seiner rigiden Kündigung des bei ihm seit 32 Jahren als Mieter ansässigen Käthe-Kollwitz-Museums auch heftig kritisierte Gründer, dieser auch lange nach der Pensionierung rastlos mitwirkende Nestor des namhaften Berliner Auktionshauses Grisebach, will seine handverlesene Kunstsammlung versteigern lassen. Und das ist unumkehrbar.

Bernd Schultz’ private Kollektionen Klassischer Moderne, der Nachkriegsmoderne, aber auch altmeisterlicher Kunst sind angesehen und waren begehrte Ausstellungsobjekte. Und doch wird er das alles in seinem Stammhaus in der Fasanenstraße auf den Markt und damit der Zerstreuung in alle Welt anheimgeben. Mit aller Konsequenz und ohne Sentiment. Auch wenn sein Wohnhaus dann viele leere Wände aufweist. Und so überschreibt er die spektakuläre Auktion pathetisch mit den Worten: „Abschied und Neuanfang“

Seit dem vergangenen Wochenende und noch bis zum 24. Oktober sind die Arbeiten in der Villa Grisebach zu sehen und tags darauf zu ersteigern. 7000 Mal in 39 Ländern wurde die Privat-Auktion angekündigt, für Mitbieter aus der ganzen Welt. Der Akt dieser überraschenden Trennung von dem Kunstschatz aus 60 Jahren Sammlerpassion hat in der Tat einen hochherzigen Grund, denn Schultz ist nicht etwa pleite.

Nein, er stiftet, was bei der Auktion herauskommen müsste – mindestens fünf Millionen Euro sollten erzielt werden – als Grundstock für ein privates Berliner „ExilMuseum“, eines, in dem die Geschichte des Jahrhunderts des Exils erzählt werden soll und wo die Objekte, so die Schirmherrin des Projekts, Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, „den Inhalt des Wortes Exil begreifbar machen“. Einer der Unterstützer und zudem ein potenzieller Mitgründer, Christoph Stölz, vormals DHM-Direktor und Berliner Kultursenator, ergänzt pathetisch: Es solle „ein Museum der Seelengeschichten(n)“ entstehen.

Schultz sieht das Projekt als Lebensaufgabe, als einen Beitrag zur Zivilgesellschaft für kommende Generationen. Etwas, das bleibt, das aufklärt, mahnt, das in die Zukunft weist, damit nie wieder geschehen kann, was unter Hitler nach 1933 passierte. Der Sammlungsstifter spricht, gerade angesichts der aktuellen Fluchtströme durch Krieg, Gewalt und Katastrophen, von einem Ort des Nachdenkens, der Empathie. Von einem Zeichen gegen Totalitarismus und Inhumanität.

Doch für den Inhalt und das Funktionieren eines solchen wichtigen Museums braucht es ein Haus. Und das kostet 30, gar 40 Millionen Euro; Spendengelder sind nötig. Schultz ist überzeugt, dass viele andere Begüterte genauso denken wie er: Er brauche keine Segeljacht. Und der linke Fuß eines Fußballstars koste versicherungstechnisch mehr als das, was so ein Museum an finanziellem Aufwand verlange. Das kühne Projekt soll auf einem schmalen Stück des Areals an der Denkmalsruine des Anhalter Bahnhofs, nahe der Gedenkstätte „Topographie des Terrors“, Realität werden. Wenn der Museumsbetrieb laufe, solle es irgendwann der Stadt Berlin geschenkt werden, die dann den Museumsbetrieb übernehmen solle.

Noch wurde keine Baugenehmigung vom Stadtbezirk erteilt. Schultz sagt, sein Initiatorenteam sei hochmotiviert, aus dem Senat gebe es zustimmende Signale. Nun müsse alles seinen parlamentarischen Gang gehen. Das Museum am Anhalter Bahnhof ist, wegen der attraktiven Lage und der geplanten Größe, sozusagen die Taube auf dem Dach. Als Spatz in der Hand bliebe die Schultz gehörende Villa Fasanenstraße 24 als Quartier. Das Kollwitz-Museum räumt da in naher Zukunft sein Domizil, zieht in ein vom Senat zur Verfügung gestelltes Haus nahe Schloss Charlottenburg. Sollte am Anhalter Bahnhof das Exil-Museum gebaut werden, wäre die Kündigung des Kollwitz-Teams völlig unnötig gewesen. Und Bernd Schultz’ Traum hätte viele Sympathisanten mehr.

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