Lade Inhalte...

Küsntlerpaar Rauch/Loy Vierhändig stricken

Das Leipziger Malerpaar Neo Rauch und Rosa Loy ist der lebende Beweis dafür, wie sehr Gegensätze einander anziehen. Ein Besuch in ihrer Grafikstiftung Aschersleben.

Grafikstiftung Neo Rauch
Neo Rauch und Rosa Loy in der Grafikstiftung Neo Rauch in Aschersleben. Foto: dpa

Noch ist kein Schwan zu sehen. Auch nicht auf den Bildern, die jetzt in der Harzstadt Aschersleben zu sehen sind. Neo Rauch und Rosa Loy, das derzeitige Leipziger Künstlertraumpaar, stellt zusammen aus. An den Wänden Motive aus zehn, fünfzehn Jahren. Seine, ihre. Und erstmals gemeinsame. 

Noch über einen Monat lang muss das Geheimnis um den Schwan und den Ritter Lohengrin gehütet werden. Kein Außenstehender hat bisher auch nur ein Zipfelchen davon gesehen. Dabei ist das Bühnenbild von Rauch und Loy zum Bayreuther „Lohengrin“ längst fertig, premierenbereit montiert für den 25. Juli in Richard Wagners Festspielhaus auf dem Grünen Hügel. 

Das Paar hat das Panorama für das Opern-Spektakel monatelang in den Theaterwerkstätten Dresdens gemalt, weil es dort den Platz, die Technik und versierte Fachleute gibt. Die beiden kletterten und jonglierten mit Pinsel und Farbeimer auf den Gerüsten. Rosa Loy nahm es sportlich, und Neo Rauch setzte sich dem aus, obwohl er eigentlich Höhenangst hat, wie seine Frau verrät. Er sagt, er weiß nicht, wie er das geschafft hat; er hat einfach nicht nach unten geschaut. 

 Seit sechs Jahren, seitdem er und sie den Auftrag aus Bayreuth bekamen, lebt Lohengrin sozusagen mit in den beiden Tür-an-Tür-Ateliers in der ehemaligen Leipziger Baumwollspinnerei. Und noch immer sei der mystische Gralsritter Dauergast in ihrem Alltag, erzählt Rauch. Er sitze also mit am Frühstückstisch, stehe in den Atelierecken und geistere nachts durch die Träume. „Das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben“, sagt der Maler, denn so eine Operninszenierung, die dringe bis ins Innerste. Dabei seien er und seine Frau gar keine Opernkenner. Genießer aber schon. 

 Es wäre Spekulation, ihr sozusagen vierhändig gemaltes und erstmals in einer Ausstellung gezeigtes Bild „Am Saum“ nun zu deuten als Miniatur der „Lohengrin“-Kulisse. Auf der mit seltsamem Bildpersonal bevölkerten Arbeit sind keine Opernfiguren zu entdecken. Lediglich unten, am Rand, liegt – oder schwebt –, neben einem Max-und-Moritz-ähnlichen Putto, eine umgekippte Porträtbüste: ein Mann mit hoher Stirn, dem Komponisten Richard Wagner nicht unähnlich.

Wir stehen in Neo Rauchs Grafikstiftung in Aschersleben, die er 2012 in seiner sächsisch-anhaltinischen Heimatstadt gegründet hat. So ist er, der hier Verwurzelte, sind viele seiner Bilder immer zu Hause, auch wenn er sonstwo in der Welt unterwegs ist. Rauch hat eine sehr besondere emotionale Beziehung zu Aschersleben: Hier wuchs er bei den Großeltern auf, nachdem seine Eltern, Kunststudenten in Leipzig, 1960 bei einem Zugunglück ums Leben gekommen waren. Da war er vier Wochen alt, von Vater und Mutter blieb ihm nur der Name: Neo, den hatten sie tatsächlich beim DDR-Standesbeamten durchgesetzt.

Das handliche Bildformat „Am Saum“ bildet den Prolog zu einer Ausstellung, die einer Uraufführung gleicht: Zum ersten Mal geben Rauch und Loy, die seit 30 Jahren verheiratet sind, und beim Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst zusammenkamen, etwas gemeinsam Gemaltes den Blicken des Publikums preis. Neugierig schauen wir auf diese farbenfrohe Mischtechnik aus Faber-Castell-Stiften, Tusche, Acryl, Gouache. Und das Paar blickt abwartend in die Runde. Er eher scheu, jedem Rummel um seine Person abhold, was ja bekannt ist. Und sie gelassen, beinah amüsiert. Weil jetzt natürlich das Ratespiel beginnt. Von wem ist hier was?

Eine melancholische schwarze Kulisse aus Laub- und Nadelbäumen tut sich auf dem plakatgroßen Bogen aus Büttenpapier auf. Davor tummeln sich auf dem Boden wie in der Luft bunte Gestalten, sich wie in Trance bewegende Männer mit gelbem und grünem Rock, in roter Latzhose und Overall samt Feuerwerfer, eine Trapezartistin, ein froschgrüner Drache, mehr freundlich-lustiger Tabaluga denn Siegfrieds gefährlicher Lindwurm aus dem Nibelungenlied. Und da ist auch eine Strickliesel mit ihrem Vogel, sind sonnenschirmartige Fliegenpilze, Waldgeister, Elfen. Und der Puck aus dem Sommernachtstraum. Soll das Bild vielleicht Waldsaum bedeuten? Grenze zur Welt der Märchen? Oder der Oper?

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen