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Künstlerhaus Basis Tanz mit mir heut’ und hier

Peinlich sind nur die, die nichts riskieren: Ein Ausflug in die skurrilen, absurden, aber nicht lächerlichen Kunstwelten des Künstlers Claus Richter im Frankfurter Künstlerhaus Basis.

In den Kunstwelten von Claus Richter, jetzt zu sehen im Künstlerhaus Basis in Frankfurt. Foto: Günther Dächert/Claus Richter/Basis

Wie Sie alles bekommen, was Sie wollen – schneller als Sie jemals gedacht hätten.“ Oder so: „Wie Sie alle Ihre Probleme lösen – in weniger als einem Tag“. Natürlich wissen wir, dass das leere Versprechungen sind. Und trotzdem. Bei aller Abgeklärtheit darf man doch wohl noch ein bisschen träumen.

Claus Richter, der diese vollmundigen Ankündigungen aus Selbsthilfebüchern in seiner Ausstellung im Frankfurter Künstlerhaus Basis unter dem Titel „The Frankfurt Songbook“ zeigt, ist ein Mann, der ausgiebig träumt. Seit seiner Kindheit ist der Künstler ein glühender Anhänger von Freizeit- und Märchenparks, von Spielzeugläden, der Muppet Show, Star Wars und Science-Fiction-Welten. Faibles, die Richter in seine Kunst übertragen hat.

Seine Ausstellungen gleichen Ausflügen ins Abenteuerland: Trips voller Illusionen, Zaubereien, Show-Effekte. Wobei der Spaß gelegentlich auch seine Schattenseiten hat. Bei Basis zeigt der in Köln lebende Künstler, der an der Offenbacher HfG studiert hat, nun Werke der vergangenen zehn Jahre, darunter einen Raum voller bunt verpackter Geschenke (inklusive bereits ausgepackter Modelleisenbahn und einer lebensgroßen Kinderpuppe im Matrosenkostüm), ein Marionettentheater mit selbst geschnitzten Puppen und einen düsteren begehbaren Straßenzug, der wirkt wie aus einem Charles-Dickens-Roman. Darin stößt man auf bewegliche Ratten und geplünderte Süßwaren-Geschäfte. Freilich zeigt Richter (Jahrgang 1971) auch die Rückseite der Kulisse – ein eher trostloser Anblick, doch die Aufmerksamkeit wird schon bald von gigantischen Stoff-Lebkuchen absorbiert.

Mit seinen Kunst-Welten gelingt es Richter Begehren und Sehnsüchte zu wecken, und dabei die Absurdität dieser Unterfangen gleich mit auszustellen. Immer schwingt bei allem Spaß ein Funken Ironie mit, ein fröhliches Augenzwinkern, das die leicht überzogenen Inszenierungen jedoch niemals ins Lächerliche zieht.

Obwohl – eine Ausnahme gibt es vielleicht: Der Film „Salve Monstrum“, den Richter unlängst in einem Renaissanceschloss am Bodensee gedreht hat, birgt skurrile Momente der Hysterie. Richter selbst spielt darin abwechselnd einen missmutigen Räuber in schneeweißem Hotzenplotz-Outfit und einen ebenfalls weiß gekleideten König mit blonder Langhaarperücke. Auf Naturimpressionen lässt Richter bizarre Musical-Einlagen folgen, um schließlich mit verstellter Stimme und Federn im Haar Reime wie „Tanz mit mir heut’ und hier“ zu singen.

Ein Auftritt, der vor allem deshalb so großartig ist, weil Richter irgendwann beschlossen zu haben scheint, dass nur diejenigen peinlich sind, die nichts wagen.

Künstlerhaus Basis in der Gutleutstr. 8-12, Frankfurt: bis 10. April. www.basis-frankfurt.de

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