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Kippa im Museum Was draußen los ist

Das Jüdische Museum in Berlin zeigt seine erste „Rapid Response Vitrine“. Das leuchtet ein.

Jüdisches Museum Berlin - "Die Kippa des Anstoßes"
Die Kippa, die im Mittelpunkt des antisemitischen Angriffs Mitte April in Berlin stand. Jetzt ist sie im Jüdischen Museum der Stadt zu sehen. Foto: dpa

Museumsreif. So nennt man umgangssprachlich etwas, das so alt und unpraktisch ist, dass man es nicht mehr brauchen kann. Man kann den Begriff auch als Hinweis auf die Tatsache verstehen, dass es normalerweise lange dauert, bis ein Objekt von Bedeutung es ins Museum schafft. Vielleicht liegt das daran, dass sich diese Bedeutung erst erweisen muss – mit der Zeit. Aber das ist auch ein Problem, denn auf der Höhe der Zeit wirken Museumssammlungen so nicht.

Manche Museen haben das erkannt, sie wollen schnell auf aktuelle Ereignisse reagieren. Das Victoria & Albert Museum in London hat schon vor ein paar Jahren eine Rapid Response Gallery eröffnet, eine Galerie der schnellen Reaktion. Dort findet man etwa eine Cargohose von Primark, made in Bangladesh. Das Museum erwarb sie nach dem Kollaps des Rana Plaza Gebäudes in dem asiatischen Land, eine Bekleidungsfabrik, in deren Trümmern mehr als 1000 Menschen starben. Gezeigt wird auch das Ikea-Stofftier Lufsig in Form eines Wolfs, das bekannt wurde, als ein Demonstrant Lufsig auf den dortigen Präsidenten warf. Cy Leung trägt den Spitznamen Wolf. Das Ikea-Spielzeug war danach schnell ausverkauft, Leung ist nicht mehr im Amt.

Das Jüdische Museum in Berlin präsentierte am gestrigen Donnerstag seine erste Rapid Response Vitrine, darin wird die Kippa ausgestellt, die ein junger arabischer Israeli trug, als er im April in Prenzlauer Berg von einem arabischen Flüchtling angegriffen wurde. „Museen sind diskursive Räume. Wir müssen künftig schneller auf aktuelle Ereignisse, die die Gesellschaft bewegen, reagieren können“, sagt die Programmdirektorin Léontine Meijer-van Mensch. Als weitere Exponate werden Objekte und Fotos aus dem Umfeld der anschließenden Solidaritätskundgebung „Berlin trägt Kippa“ gezeigt. Museumsbesucher können ihre Gedanken zum Thema Intoleranz in Notizbüchern hinterlassen. Es geht dann nicht mehr nur um die Vergangenheit, sondern um Themen, die in den Nachrichten sind. Das also kann das Museum auch sein: ein Ort des Austauschs über das, was draußen los ist.

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