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Karl Otto Götz Ein Pionier noch im hohen Alter

Die deutsche Leitfigur der abstrakten Kunst, Karl Otto Götz, ist 103-jährig gestorben.

Karl Otto Götz
Karl Otto Götz im Jahr 2014. Foto: dpa

Der Kunstbetrieb der Republik hatte sich versammelt, um ihm zu huldigen an diesem 22. Februar 2014 im gläsernen Tempel der Neuen Nationalgalerie, dem Mies-van-der- Rohe-Bau: Karl Otto Götz. Die aus Aachen stammende deutsche Leitfigur, der Pionier der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit, wurde Hundert.

Er war nicht mehr nach Berlin gereist, es hieß, er feiere Zuhause, in Niederbreitbach-Wolfenacker im Westerwald. Ein bisschen malend, wie jeden Tag, so ein zwei Stunden noch. Obwohl ihm das Augenlicht den Dienst versagte. Wie einst der erblindende Matisse mit den Scherenschnitten, so setzte Götz mit Kleisterfarben seine typischen Schwünge auf Leinwand oder Papier, wischte, zog den Rakel (Kratzeisen) durch. Seine Frau Rissa, eine Malerin, führte ihn. Sie wusste seine noch immer vorhandene Dynamik gezielt zu steuern.

Jetzt kam die Nachricht, dass Karl Otto Götz am 19. August, nunmehr im biblischen Alter von 103 Jahren, gestorben ist. Er sei still und friedlich eingeschlafen, das teilte die K. O. Götz- und Rissa-Stiftung mit. Es ist wirklich erst drei Jahre her, dass die Nationalgalerie und die Chemnitzer Kunstsammlungen (sie besitzt von Götz immerhin 150 Bildwerke samt Glasfenster überm Museumseingang) diesen Nachkriegsavantgardisten neu entdeckten, denn zuvor war das Lebenswerk des rheinischen Malers nur noch fragmentarisch bekannt. Er lehrte an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Schüler Gerhard Richter und Sigmar Polke wurden weltberühmt. Und er prägte die deutsche Informel-Malerei, zu deren Vertretern auch der Berliner Fred Thieler zählte.

K. O.Götz’ Bilder stehen für eine komplexe Ästhetik der Abstraktion, sie bündeln Emotion und Analyse, Dynamik und Zügelung. Es ist eine rastlos suchende Malerei, mit wirbelnden, explodierenden Formen. Pinsel- und Rakel-Spuren verschmelzen zu metaphysischen Kraftzentren. Grundprinzip seiner Technik war das sekundenschnelle Malen. Er trug mit breiten Pinseln Farbe auf die verkleisterte Leinwand auf und zog dann blitzschnell einen Gummirakel über die Fläche.

Götz gehörte als einziger Deutscher gleich nach 1945 zur neo-expressiven Gruppe COBRA und gründete im Jahr 1952 mit „Quadriga“ die erste Avantgarde-Gemeinschaft des deutschen Informel, einer Malerei der inhaltsfreien Form. In seinen großen und kleinen Bildformaten sind die historischen Bewegungen und Brüche des Jahrhunderts eingegangen, die ganz privaten Verwerfungen ebenso. Die Nazis verboten ihm das Malen. Nach dem Krieg, schon zur ersten Documenta 1955 in Kassel, machte Götz die deutsche Malerei international wieder hoffähig.

Kürzlich noch begab sich das Frankfurter Museum Giersch auf die Spuren der „Abstraktion in den 1950er Jahren“ - und damit auch auf diejenigen von Karl Otto Götz. Aus dieser Zeit der Rehabilitierung der Moderne stammen auch die Bild-Strudel, die die Sammlung des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK) bereichern, oder aber sein elliptischer Wirbel im Frankfurter Städel.

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