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Kabarettist Michael Frowin Ein Chauffeur, der jedem an den Karren fährt

Michael Frowin bringt Angela Merkel um die Ecke. Sein Kabarettprogramm „Kanzlerchauffeur“ handelt von den Verwerfungen der Gesellschaft im Zuge von Globali- und Digitalisierung.

Michael Frowin kommt aus einem Dorf bei Marburg. Foto: BERND BRUNDERT

Michael Frowin, gebürtiger Hesse aus einem Dorf bei Marburg, ist 48 Jahre alt und ein vielbeschäftigter Mann. Der gelernte Schauspieler und Sänger, der in der Rolle des Parzival schon einmal als Akteur des Jahres ausgezeichnet wurde, tritt selbst auf, schreibt Texte, agiert hinter den Kulissen als Regisseur und ist künstlerischer Leiter des Hamburger Theaterschiffs.

Als Merkel-Chauffeur beglückt er zusammen mit Lothar Bölck nicht nur alle sechs Wochen TV-Kaberettfans im MDR, sondern tourt auch durch die Lande. Im Aschaffenburger Hofgarten zeigte er am Samstag, was er alleine kann. Dafür spaltet er sich gleich in mehrere Personen – was der Inszenierung nicht unbedingt bekommt. Der Spannungsbogen zwischen Künstler und Publikum baut sich arg zögerlich auf, das Fremdeln legt sich auch bis zum Ende nicht ganz.

Wirbellose Lobbyisten

Dabei hat sein Spiel eigentlich alles, was es braucht: ein tragendes Thema, Aktualität und Witz („Lobbyisten gehören zu einer der wenigen wirbellosen Arten, die nicht vom Aussterben bedroht sind“). Sein Vortrag ist erhellend und intelligent, wenn er die rasanten Entwicklungen, speziell bei der Digitalisierung hinterfragt. Ist das die Zukunft, dass wir uns in die Hand von Algorithmen begeben? Ist der Beitritt in eine WhatsApp Gruppe hilfreich oder die „Apokalypse der Kommunikation“?

Dabei kann der 48-Jährige ganz schön ätzend werden: Den aufjaulenden Dieselfahrern, die jetzt Fahrverbote fürchten, hält er entgegen, dass doch jeder wusste, dass die Herstellerangaben nicht stimmten und kein 2,5 Tonnen schwerer SUV mit sechs Litern auf Hundert auskommen kann. „Ihr wolltet doch betrogen werden“, macht Frowin klar. Und es sei doch nicht verwunderlich, dass keine Partei den Betrügern an den Karren fahre. Schließlich gehe es um 2,3 Millionen Arbeitsplätze.

Michael Frowin ist das, was man einen investigativen Kabarettisten nennt. So zeigt er den Einfluss von Konzernen mithilfe der von ihnen finanzierten angeblichen wissenschaftlichen Interessensgruppen auf. Mit Schaubildern belegt er, wie diese Netzwerke funktionieren, um die Politik auf Bundes- und EU-Ebene zu beeinflussen.

Welche Verflechtungen Frowin am Beispiel des Monsanto-Produkts Glyphosat verdeutlicht, lässt den Zuhörer und -schauer schier gruseln. Dabei scheut er sich auch nicht, eine schillernde Persönlichkeit zu benennen, die nach Auffassung von Kritikern stets dabei ist, wenn es gilt, schädliche Einflüsse von chemischen Stoffen zu verharmlosen. Sein Name: Helmut Greim, 82, der schon als Gutachter für zahlreiche umstrittene Produkte auftrat. So soll er als Mitglied einer Lobbygruppe der Autohersteller auch von den Gasversuchen an Affen zur Schädlichkeit von Stickoxiden gewusst haben und könnte nach einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ darüber sogar das Bundesverdienstkreuz wieder aberkannt bekommen.

Und selbst wenn der Unkrautvertilger Glyphosat nicht krebserregend sei, wie von Greim dargestellt, bringe er die Landwirte doch in eine womöglich existenzgefährdende Abhängigkeit, argumentiert Frowin und berichtet von Heerscharen von Bauern in Indien, die sich für das angebliche Wundermittel bis unter die Halskrause verschuldeten und nach mehreren Missernten alles verloren. Rund 250 000 dieser Bauern hätten sich danach umgebracht – viele von ihnen, indem sie das noch übrige Glyphosat tranken.

An der Form seiner Präsentation mag Michael Frowin noch feilen. Seine Inhalte aber bestechen. Auch wenn manche Aussagen schnoddrig daherkommen: „Bei meinem Toaster ist es wie bei Angela Merkel. Wenn man lange genug wartet und nichts tut, kommt was braunes dabei raus.“

Weitere Infos unter www.frowin.de. „Kanzleramt Pforte D“ zusammen mit Lothar Bölck ist wieder am 13. Mai um 22 Uhr im MDR zu sehen. 

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