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„Jerusalem lebt“ Von der Zerissenheit einer Stadt

„Jerusalem lebt“: Das Palästinensische Museum in Birseit kann zum ersten Mal eine Ausstellung zeigen.

Vera Tamaris Himmelsleiter „Home“
Ausbruchsversuch der Kunst: Vera Tamaris Himmelsleiter „Home“. Foto: Inge Günther
 

Fadda spricht aus eigener Erfahrung. Sie hat bereits für das Guggenheim-Projekt in Abu Dhabi gearbeitet, die Kunst-Akademie Palästina mitgegründet und sich zuletzt als Kuratorin der Marrakesch-Biennale einen Namen gemacht. Die Ausstellung in Birseit hat sie in der Rekordzeit von acht Monaten gestemmt, ohne in dieser Zeit wenigstens einmal eine israelische Einreiseerlaubnis für Jerusalem zu bekommen. Ein Grund mehr, warum die künstlerische Auseinandersetzung mit dem politischen Konflikt im Zentrum steht. Die jüngste Krise um die Zugangskontrolle zu Al Aksa und Felsendom – dem Moscheegelände, auf dem zu biblischen Zeiten ein jüdischer Tempel stand – hat dem Projekt „Jerusalem lebt“ nur zusätzliche Aktualität verschafft. 

Vor allem die Installationen im Museumsgarten bieten ungewohnte Perspektiven. Da ragt eine Himmelsleiter aus einem Käfig hoch, kreiert von Vera Tamari, Professorin für Kunstgeschichte und visuelle Kommunikation. „Home“ – daheim – nennt sie ihr Werk aus Drahtgeflecht und grünem Plexiglas, das sie als Ausbruchsversuch angesichts der fortschreitenden Übernahme palästinensischer Häuser in der Jerusalemer Altstadt durch Siedler verstanden wissen will. An anderer Stelle steht eine Moscheekuppel, nach Christo-Art verpackt wie ein verschnürtes Paket.

Moscheekuppel, nach Christo-Art

Besonders originell ist ein fast drei Tonnen schwerer Felsquader, den Athar Jaber, ein aus dem Irak stammender junger Künstler mit niederländischem Pass und belgischem Wohnsitz, grob behauen hat. Inspiriert dazu hat ihn ein Besuch in Jerusalem, wo Juden, Christen und Moslems ihre heiligen Steine küssen, aber auf die Straßensteine ungeniert spucken. „Ich wollte diesen Kontrast, das Heilige wie das Profane, in einem Stück vereinen“, erzählt Jaber. 

Anfassen und Draufkritzeln ist ausdrücklich erwünscht. Keine schlechte Idee, um auch dem breiten palästinensischen Publikum moderne Kunst nahezubringen. 

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