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Jeff Koons Ein amerikanischer Blumenstrauß in Paris

Jeff Koons’ Angebot, Paris ein Kunstwerk zu vermachen, lässt die Franzosen hadern. Dass auch noch Baumaßnahmen nötig würden, ist Ministerin Nyssen zu viel.

Jeff Koons
Jeff Koons mit „Tulips“ (1995-2004), 2012. Foto: rtr

Es sieht in diesem Fall schlecht aus für Jeff Koons. Der Amerikaner will der von Terroranschlägen gezeichneten Stadt Paris zu Ehren der Opfer einen 33 Tonnen schweren Tulpenstrauß vermachen. Vor ein paar Tagen erst hatten Kulturschaffende in einem offenen Brief dafür geworben, die Blumen aus Stahl und Aluminium „als Botschaft der Hoffnung“ dankbar entgegenzunehmen und am gewünschten prominenten Ort unweit des Eiffelturms zu platzieren.
Zwischen dem städtischen Museum für Moderne Kunst und dem staatlichen Palais de Tokyo, wo vornehmlich aufstrebende französische Künstler zu Ehren kommen, würde Koons sein Werk gerne sehen. Doch wie der Sender RTL meldet, verweigert Frankreichs Kulturministerin Françoise Nyssen der monumentalen Gabe ihren Segen. Die Frage sei nur noch, wann und in welcher Form die Ministerin ihr Nein verkünden werde.

Damit ein unterirdischer Saal des Palais de Tokyo unter der Last der Tulpen (und einer mitgelieferten, sie haltenden Hand) nicht einbricht, müsste die Ministerin Baumaßnahmen ergreifen. Und das war ihr dann wohl doch zu viel des Schlechten. Schließlich ist da auch noch der Argwohn, der Spender wolle mit dem zwölf Meter hohen Blumengruß weniger den Opfern des Terrors ein Denkmal setzen als sich selbst. Dass der von Gewinnstreben und Geltungssucht nicht immer freie frühere Aushilfsbroker den Strauß entweder auf dem Vorplatz der Museen oder gar nicht aufstellen will, legt diese Annahme zumindest nahe. Wobei Koons beteuert, er habe sich von der Großzügigkeit der Franzosen inspirieren lassen, die den Amerikanern 1886 die Freiheitsstatue geschenkt hatten. 

Ob er sich unter dem Eindruck des ministeriellen Neins nun doch noch mit einem weniger illustren Ort anfreunden wird? An Vorschlägen fehlt es nicht. Der bisher letzte stammt von Thomas Clerc. In der Dienstagsausgabe von „Le Monde“ plädiert der Schriftsteller dafür, das Werk anstatt im mit Kunst bereits reich gesegneten großbürgerlichen 16. Pariser Arrondissement lieber im von Einwanderung und Armut gezeichneten 18. aufzustellen. Auf diese Weise könne Koons, der sich großer Popularität rühme, seine Volksnähe beweisen.

Andernorts keimt neue Hoffnung, dass der Blumengruß aus den USA auf dem Amtsweg nun endgültig dahinscheidet. Zu ästhetischen Einwänden gegenüber dem auch als bonbonfarbene Riesenlutscher geschmähten Werk gesellen sich Bedenken, ob die in ähnlicher Form beispielsweise im Innenhof der Hannoveraner Nord-LB sprießenden Tulpen überhaupt das Richtige sind, um der Toten des Terrors vom Januar und November 2015 zu gedenken. Als Lebensfreude verbreitende, „archetypische Glücksbilder“ pflegt der Amerikaner seine Arbeiten zu empfehlen. Dass Mäzene zur Verwirklichung der von Koons gestifteten Idee drei Millionen Euro an Fertigungs- und Materialkosten beisteuern sollen, schmälert Dankbarkeit und Freude der Empfänger zusätzlich.

Einiges spricht dafür, dass der Künstler erst einmal im Pariser Rathaus anruft, wo er in der sozialistischen Bürgermeisterin eine verlässliche Verbündete gefunden hat. Anne Hidalgo würde den Strauß genauso gern vor dem Musée de l’art moderne sehen wie Koons. Und wenn sich Hidalgo den Vorplatz nicht mit dem Palais de Tokio teilen müsste, wo die ihr politisch wenig gewogene Madame Nyssen das Sagen hat, wären die Blumen auch längst dort. In jedem Fall dürfte an der von Koons bereits im vergangenen Herbst angebotenen Gabe noch einige Zeit gezogen und gezerrt werden. Ob der 63-Jährige das Hin und Her geahnt hat? Die Tulpen, die er geschaffen hat, lassen schon ein wenig die Köpfe hängen.

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