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Heinz Kreutz Farbe allein, ohne konkrete Assoziation

Zum Tod des Künstlers Heinz Kreutz.

Seine Karriere begann in der bescheidenen Zweizimmerwohnung eines Versicherungsangestellten. Als Heinz Kreutz 1952 gemeinsam mit seinen Malerkollegen Otto Greis, Karl Otto Götz und Bernard Schultze in der kleinen Frankfurter Zimmergalerie von Klaus Franck ausstellte, dürfte er kaum geahnt haben, dass sie gerade Geschichte schrieben. Sie nannten sich Neu-Expressionisten, doch an dem legendären Eröffnungsabend wurde daraus die Quadriga – eine Künstlergruppe, mit der die deutsche Malerei in der Nachkriegszeit endlich wieder Anschluss fand an die internationale Avantgarde. „Informel“ war die Kunst der Stunde: Eine abstrakte, wilde Malerei, in der spontane Gesten und experimentelle Techniken unvorhersehbare Ergebnisse hervorbrachten. So war das Informel die europäische Antwort auf den abstrakten Expressionismus der Amerikaner.

Heinz Kreutz, der 1923 in Frankfurt am Main geboren wurde, war in seinem Element. Mit heftigen, wilden Pinselschwüngen setzte er dramatische Formationen auf Leinwände. Kräftige Hell-Dunkel-Kontraste und Titel wie „Lichtkampf“ oder „Mysterium“ prägen sein Frühwerk. „Farbe allein, ohne emotionale, gegenständliche oder sonstige Assoziation“, so der Künstler, sei Träger der Aussage. Fast alle seine Bilder bestechen durch ein intensives, magisches Leuchten, das sich zumeist durch diverse vielfarbige Bildschichten arbeitet. Dabei war Kreutz, der ursprünglich als Fotograf ausgebildet worden war und als Weißbinder arbeitete, eher zufällig zur Kunst gekommen. Seinen Kriegsdienst leistete er von 1940–42 in Stalingrad, wo er schwer verwundet wurde. Anschließend lag er bis 1944 in Marburg im Lazarett. Hier entdeckte er die Kunst für sich.

Es heißt, jemand habe ihm Zigarettenbildchen mit „entarteter Kunst“ hineingeschmuggelt und Kreutz sei so beeindruckt gewesen, dass er zu zeichnen begonnen habe. 1951 erhielt er ein Stipendium, das ihn nach Paris führte, wo er die Abstraktion, die Farben, das Licht der Impressionisten und ihrer Nachfolger studierte – und schließlich seinen ganz eigenen Stil fand. Arbeitete er zunächst nur in Öl, probierte er schon bald alle möglichen Techniken aus, es entstanden Holzschnitte, vor allem jedoch ausdrucksstarke Aquarelle, in denen er die Farben wolkig-weich ineinanderfließen ließ. Immer wieder zog es Heinz Kreutz nach Paris, etwa 1967, als er ein Stipendium an der Cité Internationale des Arts erhielt.

In den späten Siebziger- und Achtzigerjahren fand Kreutz in seinen Werken zu einer lichten Transparenz und Spiritualität. Seine Kompositionen wurden hell und luftig, Die Titel lauteten nun „Im Thronsaal des Lichtkönigs“ oder „Die Farben beteiligen sich am Lichterfest“. Mit dem Alter wandte Kreutz sich wieder verstärkt dem Öl und Pastell zu, die Farben und Kontraste wurden wieder dramatischer.

Im Jahr 2002 wurde er – gemeinsam mit seinen Quadriga-Kollegen – mit dem „Binding-Kulturpreis“ der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. In seinen letzten Lebensjahren hat er nicht mehr gemalt. Es heißt, er habe Angst gehabt, seine Kritikfähigkeit zu verlieren.

Seit 1976 lebte der Künstler in Oberbayern, wo er jetzt im Alter von 92 Jahren starb.

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