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Günther Uecker Das Drama des Angespültseins

Ein Streifzug durch das Werk Günther Ueckers sowie den Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern legt die Gegenwart der Vergangenheit offen.

02.09.2016 14:42
Claus Leggewie

Der Nagel, besser: Tätigkeit und Resultat des Nageleinschlagens sind zum Markenzeichen des heute 85jährigen Künstlers Günther Uecker geworden, dessen Werke zu den teuersten auf dem internationalen Kunstmarkt zählen. Was auf Uneingeweihte banal wirken mag, hat seinen Ursprung in einer traumatischen Kindheitserfahrung: Mit Nägeln verbarrikadierte der 15jährige die Türen der Wohnung, in der er mit Mutter und Schwester zum Kriegsende 1945 auf der Halbinsel Wustrow wohnte, um sie vor Attacken der sowjetischen Soldaten zu schützen.

Eine andere starke Kindheitserinnerung präsentierte Uecker 2016 zur Eröffnung des seinem Werk gewidmeten Anbaus im Museum von Schwerin: die Wustrower Tücher genannten, mit weißer Farbe bemalten Leinendecken, die nichts anderes sind als postume Leichentücher. Symbolisch bedecken sie die an die Küste geschwemmten Opfer des Luftangriffs auf die „Kap Arkona“ am 3. Mai 1945, als britische Bomber das Luxusschiff unter heftigen Beschuss nahmen – nicht wissend, dass die SS den ehemaligen Luxusdampfer in ein schwimmendes KZ verwandelt hatte, auf dem Häftlinge zusammengepfercht waren, die die Todesmärsche überstanden hatten.

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