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Fotografie Inge Werth - eine Chronistin der 68er

Das Museum Giersch würdigt die Fotografin Inge Werth erstmals mit einer Ausstellung. Ihre Aufnahmen sind kulturhistorisch äußert aufschlussreich.

„Angela-Davis-Solidaritätskongress“
Im Sommer 1972 fand in Frankfurt der „Angela-Davis-Solidaritätskongress“ statt. Foto: Inge Werth

Auch in Frankfurt gründete sich ein „Weiberrat“, und die Geschichte des Aufbruchs wäre sicherlich anders geschrieben worden ohne die Fotos von Inge Werth, nicht zu vergessen auch diejenigen von Barbara Klemm und Abisag Tüllmann. Man darf wohl sagen, dass die Dokumentation von 68 in Frankfurt in den Händen von drei Fotografinnen lag. Vielleicht ein Anlass für eine Gemeinschaftsausstellung der glorreichen Drei, etwa in der Schirn oder im MMK 2?

Wie auch immer, im eindringlich gediegenen Museum Giersch kommt es zur Begegnung mit einer Generation, die die Renitenz auf ihre Fahnen schrieb, und die beides, wie zu sehen, vor sich hertrug. Dass sich das Fotomaterial auch zur Historisierung eignet, ist womöglich für den einen oder anderen Rebellen nicht ganz einfach zu verkraften. Offenkundig auch die eine oder andere Wiederentdeckung – für einen Daniel Cohn-Bendit Wiederbegegnung mit sich selbst? Fünf Fotos führen vor, wie gerne er sich lässig gab, salopp posierte. Wohl kein Politiker in ganz Europa, der über den Zeitraum eines halben Jahrhunderts ein solcher Poseur gewesen wäre, ob als Straßenkämpfer oder auf dem heimischen Sofa. Sind wir uns da einig?

Sag das nicht!

Also gut, ich überlege noch mal.

Aber wir sind uns doch einig, dass es in dieser Ausstellung zur Wiederbegegnung einer Generation mit sich selbst kommt. Wie viele werden sich in dem einen oder anderen Foto zu identifizieren wissen. War man nicht vollkommen verpennt, gehörte man zum 68er-Establishment.

Aber da war noch was, denn hier und da wurde Abstand gewahrt. Wer sich frohgemut zeigt, direkt in der ersten Reihe, ist Eva Demski. Sie war dabei, wie man weiß, auch als Journalistin. Doch so sehr sie vorneweg marschierte, so war sie doch nicht mittendrin in der Masse. Lachend hält sie auf dem Foto Distanz.

Da war noch was. Autonomie, das große Wort, das wahrscheinlich anspruchsvollste seit den Anfängen des bürgerlichen Zeitalters, gerann nicht überall zu einem Schlagwort. Wurde, mitten im Wir-Gefühl, hier und da auch gelebt, in Würde.

 Museum Giersch, Frankfurt: bis zum 14. Oktober. www.museum-giersch.de 

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