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Eva Köstner Heldinnen mit Haube

Zum Tod der Frankfurter Künstlerin Eva Köstner. Ihre Themen waren Tod und Utopie. Insbesondere utopische Frauenwelten zeichnet sie in ihrer wohl bekanntesten Reihe „Stationutopia“ nach.

Eva Köstner hinter einem ihrer "Manifeste". Foto: Ralf Werner / openeyeffm

Utopie und Tod waren die großen Themen der Künstlerin Eva Köstner. Mit dem Tod als Anti-Utopie hat sie sich bereits in ihren frühen filmischen Arbeiten auseinandergesetzt,  vier Jahre lang hat sie den Leidensweg ihrer krebskranken Mutter begleitet und den eingespielten Ehealltag ihrer Eltern festgehalten. Utopien, insbesondere utopische Frauenwelten, zeichnet sie in ihrer wohl bekanntesten Reihe „Stationutopia“: Ihre Frauen sind Heldinnen mit silbern Hauben, die auf großformatigen Bildern eine Welt erschaffen, in der das Gute das Schlechte zu überwuchern scheint.

Eva Köstner hat mit der Fotografie angefangen, ihre Leidenschaft für den kreativen Ausdruck führte sie zunächst an die HfG nach Offenbach, schließlich wurde sie Meisterschülerin von Hermann Nitsch an der Städelschule in Frankfurt. Wie Nitsch, wohl ihr wichtigster Lehrmeister, unterwarf sie einerseits die Technik den Inhalten, andererseits zog die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Medien unterschiedliche Inhalte nach sich. "Habe meine Identität in einem Label verschenkt, verkauft, verbraucht ..." – es ist der Text eines ihrer Animationsfilme, der das zarte Pflänzchen der weiblichen Identität beschreibt, die eine Frau wenn nicht zu verschenken, dann vielleicht zu „verpassen“ geneigt ist. Wortspiele, die Eva Köstners Affinität zum Text belegen, zum Verfremden von Zitaten, die scheinbar unauflösbare Verwicklungen aufzeigen, ohne nach einer Lösung zu verlangen.

Neben Richard Sennet diente ihr Alexander Kluge als Stichwortgeber. In einer ihrer späten Arbeiten hat sie Stils aus George Cukors Filmklassiker „Die Frauen“ nachcoloriert:  Aus einem antifeministischen Zickenkrieg vom Feinsten inklusive der gesellschaftlich determinierten Vorstellung von weiblicher Konfliktlösung macht Eva Köstner intellektuelle Komplizinnen, die frei nach Kluge von Utopien sprechen, die „einer komplexen Wirklichkeit“ gegenüber stehen.

„Wir bemerken…“ ist einer ihrer Leitsätze gewesen, die in verschiedenen Werken auftauchen. Die vierbändige Buchreihe „re-marks“, die im Herbst dieses Jahres im Gutleutverlag erscheinen wird,  bildet ihr Gesamtwerk ab. Eva Köstner ist im Alter von 50 Jahren am 10. April völlig überraschend verstorben.  

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