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Düsseldorfer NRW-Forum Böhmermanns Blick auf „Deuscthland“

Jan Böhmermann blickt im Düsseldorfer NRW-Forum auf die „deuscthe“ Wirklichkeit zurück.

Deuscthland
Da scheiden sich die Wege. Foto: Frau Babic Fotografie

Die Welt ist übers Wochenende weg und hat Deuscthland die Villa, 100 000 Euro in bar, 60 Flaschen Tequila und die Schlüssel für den neuen Cayenne dagelassen. Was soll schon passieren?“ Eine gute Frage, denn schließlich ist dieses Deuscthland nach zwei Weltkriegen nur auf Bewährung draußen und wartet vielleicht gerade auf eine Gelegenheit, die Nazisau mal wieder richtig rauszulassen.

Ob dieses Deuscthland wirklich existiert oder lediglich in der Fantasie des Fernsehsatirikers Jan Böhmermann herumspukt, ist ebenfalls eine gute Frage. Sie führt in die braunen Tiefen des Internets, wo sich Menschen im Schutz ihrer Pseudonyme stammelnd über die „Chris Tall Nacht“ auslassen, führt ins Innere chinesischer „Hetzkeks“-Automaten und zu deutschen Tourismusbörsen, auf denen Böhmermanns Redaktion relativ erfolglos einen dem „Dritten Reich“ gewidmeten Themenpark bewarb. Gemeinerweise wollte auf den im Osten geplanten „Reichspark“ niemand so richtig einsteigen.

Eine Mischung aus Geisterbahn und historischem Museum hat Böhmermanns Produktionsteam nun immerhin im Düsseldorfer NRW-Forum installiert. Die Ausstellung trägt den ergreifenden Titel „Deuscthland“ und beginnt mit einer Passkontrolle: Zwei Grenzschutzbeamte in grauer Uniform scheiden die Besucher in Deuscthe und Ausländer und nehmen ihnen vorsichtshalber die Mobiltelefone ab. 

Auf deuscthem Boden wird man dann von einer Botschaft des Kurators („Herzlich, ihr Chris Dercon“) begrüßt, bevor man Angela Merkels Wanderkleidung und die Deutschlandfahne, die Björn Höcke in der Jauch-Talkshow über seine Stuhllehne hing, gebührend bewundern kann – Letzteres ist eine Leihgabe aus dem Bonner Haus der Geschichte. Ohne Zweifel ist in dieser Ausstellung alles echt oder wenigstens gut nachgemacht.

Wahrscheinlich dämmert es Ihnen bereits: Wir sind in der Hölle eines perfiden Fehlerteufels gelandet, der aus der falschen Deutschland-Schreibweise eine schaurige Parallelwirklichkeit ableitet. Eine Wirklichkeit zumal, in der, wie es bei Chris Dercon heißt, „der Kalte Krieg nicht gewonnen“ und es „zu allem Überfluss“ verboten ist, „sich vor fremden Frauen ungefragt einen runterzuholen!“

Zu allem Überfluss begegnet uns in dieser Hölle aber auch eine Menge deutsche Wirklichkeit: Etwa das Echtzeit-Protokoll dessen, was deutsche Amtsträger so tweeten (mit einem Nadeldrucker auf Endlospapier ausgedruckt), der „rechtsfreie Raum“, in dem Böhmermann die Staatsaffäre um sein Schmähgedicht ausbreitet, und die in Öl gehauenen Gemälde, auf denen Angela Merkel mit den Spitzen des Springer-Verlags kungelt. Die Satirefabrik Böhmermann ist hier mal Anwalt in eigener Sache und mal Kritiker der Mediendemokratie. So richtig lustig ist sie leider in beiden Rollen nicht.

Dabei ist die Ausstellung eigentlich eine hübsche Idee: Machen wir uns doch einfach unser eigenes Haus der Geschichte. Aber dann steht man vor den einzelnen Exponaten, schmunzelt kurz und fragt sich: War es das schon?

In dieser Hölle ist jede Qual seltsam abgenutzt, der Erkenntnisgewinn eher gering und die Mehrzahl der Gags ganz schnell verpufft. Aber natürlich hat das Böhmermann-Team als Meister des satirischen Selbstwiderspruchs auch in dieser Hinsicht vorgebaut. Zwar herrscht in Deuscthland allgemeine Redefreiheit. Aber Achtung: „Zuwiderhandlungen führen zur Ungültigkeit der Meinung.“

 

 

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