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Documenta 14 „Wir hassen Ideen!“

Künstler reagieren bockig auf den documenta-Kunsttransfer nach Athen und wollen aber erst einmal feiern.

Die Kunst der Documenta zu Kassel reizte von Beginn an zu Widerspruch und Protest. Der konnte auch schon mal sehr drastisch ausfallen. 1972 etwa kippte ein norddeutscher Bauer eine Fuhre Mist vor dem Fridericianum ab, den er wohl als Kommentar zu den gezeigten Werken verstanden wissen wollte. Einen während der 100 Tage von Kassel nicht abreißenden Sturm der Empörung löste fünf Jahre später das Gestell eines Bohrturms aus, das der Künstler Walter de Maria über seinem imaginären „vertikalen Kilometer“ aufgestellt hatte, der so die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen der Erde thematisieren wollte. Die Kasselaner befanden: lärmiger Blödsinn, Geldverschwendung.

Moderne Kunst und gesunder Menschenverstand gerieten immer wieder in ein schwer aufzulösendes Spannungsverhältnis. Das ist auch diesmal so, wenn die „documenta 14“ am kommenden Samstag fernab von Kassel in Athen eröffnet werden soll. Der Kurator Adam Szymzcyk will das ausdrücklich als politisches Statement verstanden wissen. In Zeiten der Globalisierung muss auch die Kunst beweglich sein. Angesichts der Krisen der Welt kann man nicht einfach in Kassel bleiben und durch den beschaulichen Stadtpark Karlsaue schlendern.

Oder etwa doch? Der Protest gegen den großen Kunsttransfer noch Athen kommt nicht nur von Kasselanern, die eine Bedrohung des Reinheitsgebots der Kunststadt Kassel wittern. Gegen den Mobilisierungscharakter von Szymczyks Umzugsidee regt sich nun auch Künstlerprotest.

Keine Eulen verpflanzen

Auf der Seite Wirwollennichtzurdocumenta14.de haben inzwischen über 70 Künstler ihren Unmut gegen das Athen-Kassel-Projekt artikuliert. Unter dem Slogan „Wir tragen keine Eulen nach Athen“ begründen sie ihre Standhaftigkeit: „Schluss mit diesen documenta Ausbeutungsstrukturen! Solidarität beginnt vor der eigenen Haustür! Die Moderne ist unser Späti! Für mehr Kunstvernichtung! Wir hassen Ideen!“

Gegen die künstlerische Eloquenz setzen die Unterzeichner eine ruppige Bockigkeit, die einfach nicht mit will mit der kuratorischen Verpflichtung auf den Gedanken, dass sich die Kunst nicht heraushalten kann. Es ist eine Koalition der Unwilligen, die sich da zusammengetan hat. Man müsse einfach dagegen sein, sagt Mitinitiator Paul Weiner. Es sei die Aufgabe von Künstlern, gegen alles zu sein, was zu groß ist. Aber man will auch feiern, parallel zur Documenta-Eröffnung in Athen, im Raum für drastische Maßnahmen in Berlin.

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