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Documenta 14 Riesenloch in der Documenta-Kasse

Nach dem Eklat um „Holocaust on the Beach“! ist die Documenta 14 kurz vor ihrem Ende auch finanziell in eine kapitale Schieflage geraten.

Kassel
Hiwa K.s bewohnbare Röhren-Installation in Kassel. Foto: afp

Die Hiobsbotschaft kommt unmittelbar vor dem Finale. Nun auch das noch – nach peinlichen Missgriffen im Programm, wie dem gerade noch abgewendeten Eklat um „Holocaust on the Beach“! Ein Riesenloch klafft in der Documenta-Kasse. Defizitär also endet am Sonntag der 100. Tag. Es kamen zwar eine Dreiviertel Million Besucher zu der polarisierenden, ideologisch bisweilen penetrant aufgeladenen Versammlung Weltkunst mit überdimensioniert teuren Performances, Debatten und kostspieligen Spektakeln.

Zum Ende der 14. Ausgabe des alle fünf Jahre stattfindenden Kunst-Gipfels nun also auch noch eine Haushaltsdebatte. Externe Wirtschaftsprüfer sezieren die Bücher, das Land und die Stadt mussten mit Bürgschaften für 3,5 Millionen einspringen. Eine „dramatische finanzielle Schieflage“, heißt es in Zeitungen vor Ort. Angeblich fehlen sieben Millionen Euro. Documenta 14-Leiter Adam Szymczyk hat bisher geschwiegen. Setzt der Kapitalismus-Kritiker mit dem Minus gar ein fulminantes Aktions-Zeichen gegen den kapitalisierten Kunstbetrieb?

Beginn einer Neid-Debatte?

Freilich warnte Kassel schon lange vor documenta-Start, der Standort Athen verschlinge viel mehr Geld, als zur Verfügung stehe. Das wurde in Kauf genommen. Szymczyk hatte erstmals in der Geschichte der documenta das in Kassel beheimatete „Museum der 100 Tage“ verdoppelt – zuerst im zahlungsunfähigen Athen unter dem Titel „Von Athen lernen!“, dann zeitversetzt in Kassel. Bei unverändertem Etat. Der Größenwahn wurde bewundert.

Traditionell wird die Großausstellung je zur Hälfte von den Gesellschaftern der documenta gGmbH der Stadt Kassel und dem Land Hessen finanziert. Jeweils für fünf Jahre (Vorbereitung und Durchführung) erhält die documenta je sieben Millionen Euro von den Gesellschaftern plus 4,5 Millionen Euro von der Kulturstiftung des Bundes. Weiterer Finanzbedarf muss selbst erwirtschaftet werden, vor allem durch den Ticket-Verkauf.

Bis Sonntag, so heißt es aus dem Kasseler Rathaus, ist noch Geld da. Danach aber müssen weiter die Löhne der Mitarbeiter gezahlt, der Abbau gesichert, Rechnungen beglichen werden. Stadt und Land stehen nun dafür ein, Gläubiger stunden kulanterweise die Zahlungen. Von Anfang an „unterfinanziert durch die öffentliche Hand“, so argumentiert die documenta-Geschäftsführung. Der Etat müsse künftig viel höher sein; Theater würden viel besser ausgestattet. Beginnt jetzt gar eine Neid-Debatte?

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