Lade Inhalte...

David Hockney Plädoyer für die Königsdisziplin

Der britische Künstler David Hockney, der stets an die Malerei glaubte, wird am 9. Juli 80 Jahre alt.

David Hockney wird 80
David Hockney im Februar dieses Jahres, als er ein Design schuf für Mouton-Rothschild-Wein. Foto: dpa

Reflexartig knipst unser Gehirn, sobald der Maler-Name David Hockney fällt, die flirrenden kalifornischen Swimmingpool-Bilder der späten sechziger Jahre an, in tiefblaues Wasser tauchende Gestalten, Palmen und Wellen, die sich zu grafischen Mustern kräuseln, Cabrio-Fahrten entlang der Pazifikküste, gläserne Villen hoch überm Meer. Motive für Freiheit, für Luxus, für freie, lustvolle Liebe. Männerliebe.

Anders die späten Landschaften – vom Grand Canyon aus den achtziger Jahren, wo er seine Skizzen in Arizona direkt am Abgrund machte. Daraus entstanden Bilder in leuchtenden Orange-Tönen. Sie haben eines gemeinsam: Es gibt keinen Fluchtpunkt, typisch Hockney: Das Auge des Betrachters soll frei wandern können – über die steilen Abhänge, die endlosen Schluchten. Und später, zurück in der alten Heimat, malte er die Motive von der Grafschaft Yorkshire, vom rauen Seebad Bridlington.

Hockney, der Maler mit den ständig wechselnden markanten Brillen, deren ausgefallenes Styling der einzige Trend ist, den sich der früher blond- heute weißschopfige Tweed-Träger wirklich leistet, kehrte vor 17 Jahren aus den USA nach Großbritannien zurück. Nach Bradford, wo er am 9. Juli 1937 zur Welt kam, als Sohn eines Buchhalters und Hobbymalers. Schon als Junge zeichnete und malte er wie besessen und bereits als Student am Royal College of Art London mischte er den Kunstbetrieb auf, stand in der prüden englischen Gesellschaft zu seiner Homosexualität. Die lebte der kettenrauchende Maler-Star später auch in New York und L.A. aus, obwohl das auch dort noch ein Tabu war.

Sie sind wirklich einzigartig, die Gemälde flirrender Pools, über denen eine Fontäne den Bigger Splash eines unsichtbaren Körpers anzeigt, und vor dem blicklos der Geliebte Peter Schlesinger – die Initialzündung von Hockneys erfolgreicher Malerei überhaupt – steht.

Im Alter, nunmehr mit ertaubendem Gehör, füllen Hockneys Bilder die Bäume der Heimat: Bigger Trees, gemalt aus immer gleicher Perspektive zu jeder Jahreszeit, grandios schlicht, ein bisschen melancholisch und gerade darum so geheimnisvoll. Hockney glaubt an die Malerei, egal, wie oft sie schon totgesagt wurde. Er hat null Interesse an der Debatte über die Existenzberechtigung der Malerei heute. Ihn interessiert, wie er das, was er sieht, übersetzen kann. Mehr als 2000 Bilder sind in fast sechzig Jahren nach dieser Maxime entstanden.

Und er fotografierte, setzte sich in den siebziger Jahren intensiv mit dem Medium auseinander. Er fotografierte Orte aus verschiedenen Perspektiven, fügte die Aufnahmen zu Collagen, filmte. Etwa die Fahrt durch Yorkshire mit neun Kameras, die er parallel laufen ließ. Der Betrachter müsse die sich nebeneinander bewegenden Perspektiven mit den Augen scannen, so Hockney. Er sieht sich selbst als „space freak“: Ihn fasziniert die Frage nach der Übertragung von Räumlichkeit auf die Fläche des Bildes. Darum erforschte er Gemälde des niederländischen Barock: von Vermeer, von van Eyck. In seinem Buch „Geheimes Wissen“ stellt Hockney diese Theorie auf: Die alten Meister hätten optische Linsen genutzt, um ihre Motive mit Hilfe von Spiegelung auf die Leinwand zu übertragen. Die heutige Fotografie schreibe diese Technik nur fort. Nicht die Fotografie sei also fortschrittlich, sondern die Malerei. Die Königsdisziplin. Für Hockney: „die Avantgarde“.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen