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Bornhagen Exklusiver Blick für Björn Höcke

Es geht nicht um Rache, sondern um das Verhindern der Wiederholung: Ein Besuch des Mahnmal-Imitats vor dem Haus des AfD-Politikers Björn Höcke. Dort steht es und erinnert ihn. Nur ihn.

Holocaust-Mahnmal neben dem Haus von Björn Höcke
Das Wohnhaus Björn Höckes aus der Perspektive des Mahnmals. Foto: epd

Man muss nach Bornhagen, sich zwischen die 24 Stelen aus, sagen wir mal, „Theaterzement“ stellen, um zu begreifen, was es mit dem Holocaust-Mahnmal-Imitat vor Björn Höckes Haustür auf sich hat. Das Foto auf dieser Seite zeigt den Blick auf Höckes Haus. Ein richtiges Bild, das aber einen falschen Eindruck vermittelt. Mindestens ebenso interessant wäre der uns leider versagte Blick von Höckes Haus auf die Installation der Berliner Künstler.

Man sähe eingezwängt zwischen anderen Häusern ein winziges Areal, ein sicher nicht einmal 25 kleine Schritte langes und wohl nicht mehr als 12 Schritte breites Terrain, hinter einem kleinen Haus, ein Handtuch von einem Grundstück. Umstellt von ebenso kleinen Häusern. Von der Straße aus, ist das Holocaust-Mahnmal-Imitat für Björn Höcke nicht zu sehen. Erst wenn man hier steht, wird einem deutlich, dass man es nicht mit einer öffentlichen Demonstration, sondern mit einer geradezu intimen Schenkung zu tun hat. Man muss durch das kleine Haus in der Friedensstraße, um auf seinen Hinterhof zu gelangen, der nur durch einen etwas altersschwachen Gartenzaun von Höckes Anwesen getrennt ist.

Mahmal ist die Idee einer Künstlernatur

Wer immer die Idee hatte, hier ein Stück Holocaust-Mahnmal hinzustellen, war jemand mit Fantasie, eine Künstlernatur. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, diesen schmalen Raum so zu nutzen. Das Zentrum für Politische Schönheit hat die Begabung, auch winzigste Vorlagen in Beiträge zur Herstellung eines öffentlichen Bewusstseins zu verwandeln.

Zu den Schönheiten des Stückes in Bornhagen, gehört ganz sicher, dass es nur von Höckes Haus aus zu sehen ist. Das Zentrum hat ihm einen exklusiven Blick beschert, der ihn tagtäglich daran erinnert, was er kleinreden oder gar leugnen, woran er jedenfalls aber nicht erinnert werden möchte: die millionenfache Ermordung von Juden durch Deutsche.

Die Künstler des Zentrums für Politische Schönheit haben Höcke ein Denkmal geschenkt. Es ist die Frage, ob der Ex-Geschichtslehrer es nutzen wird. Es teilt ja nichts mit. Es steht nur da und erinnert ihn. Nur ihn. Wir warten auf seine Reaktion.

Ferdinand Freiligrath schrieb im April 1844 in St. Goar: „Deutschland ist Hamlet! Ernst und stumm/ In seinen Toren jede Nacht/ Geht die begrabne Freiheit um,/ Und winkt den Männern auf der Wacht./ Da steht die Hohe, blank bewehrt,/ Und sagt dem Zaudrer, der noch zweifelt:/ ‚Sei mir ein Rächer, zieh dein Schwert!/ Man hat mir Gift ins Ohr geträufelt!‘“

Hamlet, dessen Vater vom Bruder ermordet worden war, bestellt eine Schauspieltruppe. Die führt diesem Onkel, der jetzt König war, und seiner Mutter, die ihn geheiratet hatte, das eigens zu diesem Anlass und nur für sie geschriebene Stück „Die Ermordung des Gonzago“ auf. Die Schauspieler spielen den Mördern ihre Tat vor, sie halten sie ihnen in aller Drastik vor Augen. Als der Darsteller des Mörders dem Opfer Gift ins Ohr träufelt, wie der wirkliche Mörder es getan hatte, bricht der die Aufführung ab.

Spiegel das Hauptinstrument der Kunst

Mit dem Vorhalten des Spiegels allein ist es – außerhalb des Theaters – sicherlich nicht getan. Aber der Spiegel ist nunmal das Hauptinstrument der Kunst. Seien wir froh, dass die Berliner Künstler ihn aufgestellt haben. Sie haben es für Björn Höcke getan. Aber Bilder wie das oben, erinnern uns daran, wie wichtig es ist, dass wir selbst uns auch als – tatkräftige – Spiegel der deutschen Wirklichkeit begreifen.

Wir wissen, dass es nicht um Rache geht. Sondern um das Verhindern der Wiederholung. Das Mahnmal in Berlin steht da, um an die Ermordung der Juden zu erinnern. Es steht da, damit wir nicht vergessen, wozu unsere Großeltern und Urgroßeltern  fähig waren. Nicht damit wir uns als die besseren Menschen fühlen, sondern damit wir darauf achten, dass wir nicht ähnliche Schand-Taten vollbringen. Das Holocaustmahnmal ist ein Denkmal unserer Schande. Wir brauchen es, um nicht zu vergessen, wozu wir fähig sind. Jeder von uns braucht es. Einem von denen, die davor gerne die Augen verschließen, hat das Zentrum für Politische Schönheit ein ganz privates Mahnmal vor die Gartentür gepflanzt. Dankbar sollte er sein.

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