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Bode-Museum Später ein Fläschchen

Kriegsversehrte und vom Zahn der Zeit gezeichnete Mittelalterwerke des Berliner Bode-Museums sind nun restauriert.

408 Thronende Muttergottes mit dem Kinde
Detail der restaurierten Erhart-Madonna. Ulm um 1480/85. Foto: SMB/A.Voigt

Das gelbliche Lindenholz wirkt wie polierter Alabaster. Das Tonrelief wie Bronze. Und der Carrara-Marmor schimmert muschelweiß. Drei mittelalterliche Madonnendarstellungen von großer Anmut, aber auch überzogen mit einem Trauerhauch, mit der Vorahnung vom Kreuzestod des Jesuskindes, wenn es zum Mann geworden ist, bereichern bald die ständige Ausstellung im Bode-Museum der Staatlichen Museen Berlin auf der Museumsinsel.

Diese zu fast wieder heilen Bildwerken zusammengefügten, sorgsam gereinigten und an den Schadstellen ergänzten Reliefs, die drei Kindfrauen-Körper, die lieblichen Gesichter, die Knäblein, waren überzogen von großen Brandflecken, Wundmalen der Bombennächte 1945. Die Reste der großartigen Bildwerke des 15. Jahrhunderts waren zerkratzt, löchrig, verschmutzt.

Drei Muttergottes-Darstellungen der frühen Renaissance, zwei aus Italien und eines aus dem deutschen Raum, lagerten in diesem jämmerlichen Zustand im Depot der Skulpturensammlung. Zwar war ihre Odyssee – Auslagerung im Krieg, Trophäen-Transport in die UdSSR und Rückkehr 1958 auf die Berliner Museumsinsel – längst Geschichte. Aber die Restaurierung stand, mit Tausenden anderer lädierter Werke, auf einer langen Warteliste.

Michel Erharts „Thronende Muttergottes mit Kind“ aus Lindenholz, 1480, Antonio Rossellinos „Muttergottes mit Kind“, 1460, Marmor, und die Luca della Robbia zugeschriebene bronzefarbene „Muttergottes mit Kind und zwei Engeln“, 1430/40, haben es einem Mäzen aus Übersee zu verdanken, dass sie nun wieder „unter die Leute“ dürfen – dem Publikum vor Augen, dem die Schönheit der Meisterwerke, zugleich aber auch die durchaus noch sichtbaren Spuren des Krieges und der Zahn der Zeit anzusehen sind. Sein sollen, weil gerade so die ganze Geschichte der kostbaren Werke erzählt wird. Möglich machte die Auferstehung der drei Madonnen eine hohe fünfstellige Summe der US-Bank of America Merril Lynch, die sich schon in der Obama-Ära die Rettung von Weltkulturerbe auf die Fahne geschrieben hat. Welche Geste aus dem Trump-Land: „Kulturbrücken bauen, statt einzureißen“, so betont es bei der Vorstellung der restaurierten Madonnen am Mittwoch Merril-Lynch-Vertreter Armin von Falkenhayn.

Zwei Jahre lang haben Restauratoren-Teams des Bode-Museums akribische Arbeit geleistet, dabei mit Kunsthistorikern die Bildwerke, die einst im 19. Jahrhundert für die Königlichen Sammlungen angekauft worden waren, tiefer erforscht, als bisher bekannt war. Und so weiß man jetzt, dass das Fläschchen der Erhart-Madonna im 19. Jahrhundert hinzugefügt wurde. Zuvor hielt die Heilige wahrscheinlich einen Granatapfel in der Hand: Symbol des Lebens und der Liebe.

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