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Ausstellungshalle Schulstraße Die Überlebenden

Frauen aus dem griechischen Widerstand: „Eingebrannt“, eine starke Installation von Barbara und Leonie Englert.

Wie eng vergangene Gräuel zur Gegenwart gehören, haben die Regisseurinnen Barbara und Leonie Englert eindrucksvoll in einer dokumentarischen Installation zur Geschichte Kretas sichtbar gemacht. Sie ist jetzt in der Ausstellungshalle Schulstraße 1A in Frankfurt zu sehen. Im Film sprechen darin Frauen, die zwischen 1941 und 1945 gegen deutsche Besatzer im Widerstand gekämpft haben. Ihre Erinnerungen sind erkennbar nah, die Folgen von Mord und Zerstörung dem Leben –wie der Projekttitel hervorhebt – „eingebrannt“.

Die auf zwei Leinwände projizierten Bilder des heutigen Griechenlands erzeugen beim Betrachten eine brisante Spannung. Der Blick auf Athen, die Hafenstadt Chania und das Meer wecken letzte Urlaubserinnerungen. Idyllisch still wirken die eingeblendeten Dorfstraßen und weiten Olivenhaine. Wie ist es vorstellbar, dass an diesen Orten, wo heute deutsche Urlauber zu Tausenden willkommen geheißen werden, vor sieben Jahrzehnten 20 000 deutsche Fallschirmjäger gelandet sind und das Leben der Dorfbewohner in eine Hölle verwandelt haben?

Mit vierzig Frauen, die überlebt haben, als Kreta von deutschen Kampfflugzeugen im Zweiten Weltkrieg bombardiert und besetzt wurde, haben Barbara und Leonie Englert über diese in Deutschland kaum präsenten Ereignisse gesprochen. Die Worte der schwarz gekleideten, 80- bis 100-jährigen Frauen sind in griechischer Sprache (mit deutschen Untertiteln) zu hören. Die innere Resonanz der Erzählungen spiegeln äußerst eindrucksvoll Handpuppen, die in Kooperation mit der Puppentheatergruppe Firdin Migdin entwickelt wurden und den Frauen ähnlich sind. Immer, wenn eine erzählte Geschichte abgeschlossen ist, werden einzelne Passagen von den Handpuppen szenisch nachempfunden. Die fein ausgearbeiteten Gesichter der Puppen geben im Film den von Gräsern überwucherten Steinen ihre lebendige Geschichte zurück. Verletzt liegen sie auf dem Boden, ihre weit geöffneten Augen werden von der Kamera (Film- und Fotokooperative Obscura Lab, Georg Lewark, Elena Moschou und Pola Sell) behutsam fokussiert und erzeugen ganz ohne Worte eine nachwirkende Präsenz.

Auszüge aus dem Gedicht „Im Belagerungszustand“ werden zudem live eingesprochen. Der Text ist in der Vertonung von Mikis Theodorakis inzwischen weltberühmt. Geschrieben wurde er 1968 unter dem Pseudonym „Marina“ von Rena Chatzidaki, der Tochter der kretischen Schriftstellerin Lily Zografou. Rena war, wie sie erzählt, als ungeborenes Kind bereits Gefangene der Gestapo. 1943 kam sie im Gefängnis bei Chania zur Welt.

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